Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Auf dem Hügel
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 599 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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AUF DEM HÜGEL 599 und stärker. Auf ihren breiten Gesäßen starrten die weißen Flicke hervor. Die Musik spielte den letzten Familientanz auf; eine Kolomejka mit hurtigem Tempo und fröhlichen, dünnen Klängen. Die ganze Familie vom „Hügel" wand sich nun in den Kreis hinein; tanzten, hopsten, drehten sich mit heißen, verschwitzten Stirnen, ihre Nasen flammten, sie polierten und schrien: ,.Schwäher .. . Vater .. . Wo bist du? . .. Tanzen . .. Du hast die jüngste Tochter ausgegeben . . . Tanzen . .. Vater, wo bist du? . . Aber Schmiel-Jossje hörte nicht. Er saß gerade, wie bei allen Familientänzen auf den Hochzeiten seiner Kinder, hinter dem Zaune, gegenüber dem runden, frostigen Monde. Die erhellten Fenster glitzerten vom Hügel hinab, trugen die frohen, mitternächtigen Klänge in die stille Frostnacht. Das Stampfen der Füße erdröhnte dumpf wie leichtes Erdbeben. Beim Ülfnen der Türe wirbelte ein Dampf von klingenden, rauschenden Tönen entgegen: umnebelte Stimmen, Musik wirr durcheinander und jäh abbrechend. Es wurde noch immer getanzt, verzückt, atemlos. Füße stampften. Köpfe senkten sich über fremde Schultern, Weiber und Männer zu einem einzigen Knäuel zusammengeschlungen. Die Decke schlitterte, die Scheiben klirrten. Mitten im Knäuel drinnen tanzte Dudsie Burmile, hob und senkte die großen Stiefel. Man konnte ihre Hufeisen sehen. Seine Nüstern waren aufgebläht, wie bei einem galoppierenden Pferde. Er zog jedesmal einen Fuß hoch und schrie zum Takt der Musikanten: ...Jiti-—di—bom— hab' eine neue Muhme—e—e . . /" ,,Jiti—di—bom— hab' einen neuen O—hei—ei—m . . ..Jitaaam .. . .lilaaam . .. Jitaaam. . Schmiel-Jossje ging diesem Knäuel aus dem Wege. Man stieß ihn in den Rücken, trat ihm auf die Füße, fast hätte man ihm die Rockschöße zerschliessen. Er wurde nicht beachtet, niemand sah sich nach ihm um. Der zusammengewachsene Knäuel wälzte sich weiter, stampfte schwer, atemlos, mit letzter Kraft. Schmiel-Jossje wich zurück, er senkte den Kopf und sah sie schief an: ,,Uh . . . uh . . . Kinder... im . .. nu . Brummte raunzig in seinen grauen Bart hinein: „Eh... uh..." Er ging zu der auf dem Ofensims stehenden Lampe hin, deren Zylinder gesprungen und mit versengtem Papier überklebt war, drehte ein wenig den Docht ab, damit nicht zu viel Petroleum aufgehe.