Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1927)
- Article
- Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände auf der Ausstellung "Das junge Deutschland"
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 568 (sequence 2)
- Language
- German
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568 MENORAH Aufbau der Koje bei der Ausstellung „Das junge Deutschland" Plastik.............. Heinz Tichauer Wandbilder............Peter Walter Schulz Tisclibüder............Vera Maykon Photographie...........Richard Weher In der Ecke der Koje 11 im Erdgeschoß des Schlosses Bellevue hat neben den katholischen und evangelischen, Millionen Mitglieder zählenden Jugendverbänden auch der 1924 gegründete Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände (Jugendheim l der Zentralwohli'ahrlsslelle der deutschen Jugend) seinen Stand gefunden. Eine von Heinz Tichauer geschaffene Plastik weist auf den Leitgedanken des Reichsausschusses, den der sozial e n Arbeit d er Jugend i' ü r d i e J u g e n d hin. Mehrere diese Plastik flankierende Wandgemälde von Peter Waller Schulz versinnbildlichen Eigenart der verschiedenen im Reichsausschuß zusammengeschlossenen jüdischen Bünde und stellen neben der „Freude am Gesetz", dem „Lernen der Schrift'4, „Pflege von Literatur und Volkslied", ,.Wandern und Körperkultur" und schließlich die „Berufsumschichtung" dar. Eine Tafel orientiert — und das ist nicht unwichtig — über die verschiedenen Abzeichen der elf im Reichsausschuß vereinigten Jugendbünde, welche etwa in 600 Ortsgruppen 30.000 Mitglieder umfassen. Seit ganz kurzem verfügt der Reichsausschuß über ein eigenes Jugenderholungsheim und eine Jugendherberge in S e e s e n a m H a r z. Auf einem der beiden unterhalb der Wandbilder angebrachten Tische befinden sich eine photographische Wiedergabe des Seesener Heimes als — wohl symbolisch gedachte — Krönung einer Übersicht der Titelköpfe der augenblicklich erscheinenden Zeitschriften jüdischer Jugendbünde in Deutschland. Der andere Tisch bringt Statistisches über die Bünde und Angaben über die verschiedenen jüdischen Organisationen, welche durch Bereitstellung vonRäumen, Errichtung vonWerkstäüen, Lehrgärlen und Bibliotheken,.durch Veranstaltung von Kursen, durch finanzielle Beihilfen und — last, not least — durch Förderung von Wanderung und Sport die Arbeit der Jugendverbände tatkräftig unterstützen. Es ist schade, daß die Anlage dieser einheitlich und einigend aufgebauten Ausstellung keine Möglichkeit bot, zu zeigen, wie die wichtigen Probleme, denen die Gesamtschau gewidmet ist, innerhalb der jüdischen Jugend Deutschlands sich darstellt. Es hätte zweifellos interessiert, etwas über den Aufbau der jüdischen Jugend im Alter von 14 bis 18 Jahren zu erfahren, über den Anteil, den diese Altersgruppe zu den schulentlassenen Werktätigen stellt, über den Aufriß ihres Arbeitstages, über die Gesamtheit der sozialen Verhältnisse, In denen sie leben und ähnliches mehr. Eine daraus sich ergebende vergleichende Statistik hätte höchstwahrscheinlich sehr interessante Ausblicke eröffnet und Erkenntnisse vermittelt, die ebenso lehrreich wie nachdenklich stimmend gewesen Mären. Dr. Jacobson.