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Menorah · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · p. Seite 561

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 9 (September 1927)
Article
(Buchbesprechung) [Rezension]
Date
1927-09-01
Page
Seite 561 (sequence 6)
Language
German
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BIBLIOGRAPHIE 561 £leinbürgerfamilie, der materiellen und seelischen Not des anfangs ungeratenen, später iber sich gut entwickelnden jüngsten Sprößings kommt es nicht heraus. Wenn Gustav Mautner die stattliche Höhe eines Selchwaren fabrikanten erklommen hat und aus dem Wissensdurst, der seinen Vater täglich Chumesch lernen ließ, nun seinen Doktor der Philosophie macht, kommt dies leider nicht über ein geistiges Strebertum hinaus, das sein Gegenstück im eifervollen Ringen um den „Herrn von" halte. Der Roman Samuel Lewins „Z e i lw e n d e" entrollt in den einfachsten Worten, mit den schlichten Bildern des ostjüdischen Erzählers, die seelische Not des Juden im Osten. Eine alte chassidische Gemeinde kommt mit den Segnungen des Industrialismus in Berührung. Der Kampf zwischen Tradition und Aufklärung entbrennt. Leider sehen wir nur die Anfänge, aber die tiefen Wunden, die dieser Kampf in die Herzen der allen Menschen und der heranwachsenden Jugend schlägt, die Opfer, die fallen, erwecken unsere Anteilnahme. Zwingend geschildert ist die Macht der Liebe und des Glaubens, die über alle Hindernisse triumphieren macht. Es ist zu bedauern, daß dieser Roman in deutscher Sprache nur in beschränkter Zahl für die Mitglieder der Soncino-Gesellschaft verlegt wurde, der für den vorbildlichen Druck, die vornehme Ausstattung die vollste Anerkennung des Bibliophilen gebührt. N. DIE ERSTEN BÄNDE DES HEINEBUNDES: Band 1: S. POL JAKOFF, SABBATAI ZEW1, Roman aus dem Russischen. Von Z. Holm. Band 2: GESTALTEN UND MO¬ MENTE AUS DER JÜDISCHEN GE¬ SCHICHTE. Herausgegeben von Professor Dr. J. E 1 b o g e n. Die beiden ersten Bände des Heinebundes, die nun im Drucke vorliegen, scheinen ein guter Anfang zu sein. Aber ein Anfang nur. Der Roman PoljakofFs ist etwas antiquiert, dem Rhythmus des 20. Jahrhunderts zu sehr entfernt, um auf ein größeres Publikum zu wirken. Besser gelungen ist das Buch Elbogens. Aus der Geschichte der Juden ist eine Auswahl von Dokumenten und Abhandlungen zusammengezogen, die sich auf Wendepunkte des Geschickes des jüdischen Volkes beziehen. Aber der Lebenswille des jüdischen Volkes ist noch stark, er braucht die Dokumentierung durch trockene Berichte aus vergangenen Zeiten nicht so sehr. Er manifestiert sich täglich im politischen Leben der Völker Europas und in der Kolonisationsarbeit in Palästina. Was wir vom Heinebund erwarten, ist mehr Verknüpfung mit dem Leben. Die jüdische Buchgemeinde sollte in ihren Werken ein Spiegelbild ihres geistigen und nationalen Lebens geben. J. II. SINCLAIR LEWIS: BAB1TT; Dr. med. ARROWSMITH. Kurt Wolff Verlag, München. Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und doch so begrenzt, so kleinbürgerlich. Das ist die überraschende Entdeckung der Romane von Sinclair Lewis. Mag auch die Technik, die Macht der KapitrJansammlung noch so unbegrenzt sein, der Mensch, sein Denken, sein Leben bleibt immer begrenzt. Mag es nur B a b i t t sein, der kleine Realitätenhändler, dessen Leben trotz Auto und Badezimmer innerlich und äußerlich gleichbleibend und eintönig verläuft und den die gelegentliche Entgleisung, der geistige Aufschwung, den er nimmt, um aus den Niederungen zu hoher politischer Geltung zu gelangen, beinahe alle mühsam errungenen Positionen kostet. Oder der Intellektuelle, der Arzt, Dr. Arrow7 s m i t h, der davon träumt, ein Gelehrter zu werden, und den die Betriebsamkeit des erwählten Berufes immer wieder von seinen Idealen abbringt. Daneben das hohe Lied der amerikanischen Frau, die, tapfer und unverzagt, dem Lebenskampf Arro-wsmith ihren Beistand leistet, um schließlich durch einen dummen Zufall der Pest zu erliegen, der ihr Mann gerade mit dem von ihm neuentdeckten Serum zu Leibe rückt. Diese Tragik des Alltags in kraftvoller Naivität in tausend kleinen Ereignissen erfaßt, findet in Sinclair Lewis ihren besten Beobachter. N. DR. LEO GOLDHAMMER, DIE JUDEN WIENS. Eine statistische Studie. 1927. R. Löwit Verlag, Wien-Leipzig. In diesem Buch entsteht aus trockenen, toten Ziffern das scharfumrissene Bild des jüdischen Wien, seines Werdens, Wachsens und schweren Lebenskampfes. Mehr als alle Propagandaschriflen zur Abwehr des Antisemitismus zerstört die Kraft der Tatsachen die Legende von der jüdischen Allmacht, der jüdischen Geldherrschaft. Goldhammer zeigt an den Lehren der Statistik den Kampf der Judenschaft Wiens um ihre wirtschaftliche und sittliche Lebensberechtigung. Den Kampf, der trotz staatsgrundgesetzlicher Gleichberechtigung auf allen Gebieten mit kürzerem Schwert geführt werden muß gegen die Politik von Bund und Stadt, die ihre feindliche Einstellung dem jüdischen Bevölkerungsteile gegenüber nicht einmal zu verbergen bemüht ist. H . . . n.

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