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Menorah · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · p. 556

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 9 (September 1927)
Article
(Buchbesprechung) [Rezension]
Date
1927-09-01
Page
556 (sequence 1)
Language
German
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JEAN RICHARD BLOCH: SIMLER & CO. Rotapfcl-Verlag, Zürich, Leipzig. EDMOND FLEG: DER KLEINE PROPHET. R. Piper Verlag, München. LUDWIG LEWISOHN: GEGEN DEN STROM. Eine amerikanische Chronik. Frankfurter Societätsdruckerei. LEOPOLD HICHLER: DER SOHN DES MOSES MAUTNER. R. Löwit Verlag, Wien. SAMUEL LEWIN: ZEITWENDE. Soncino- Gesellschaft. Es ist heute keine besonders überraschende Konstatierung, darauf hinzuweisen, daß die Juden wie kein anderes Volk in Europa durch die politischen Umwälzungen und kriegerischen Verwicklungen der letzten hundert Jahre fast immer wieder zum großen Teil von ihren Wohnsitzen aufgescheucht und in neue Lebensbedingungen gedrängt wurden. Einen solchen Ausschnitt bietet die Geschichte einer elsässischen Judenfamilie, die nach dem Kriege der Siebzigerjahre ihre wirtschaftliche Existenz bedroht sieht und sich zur Auswanderung nach Frankreich entschließt, dort im Zentrum der Textilindustrie in Kämpfen gegen eine dem Flüchtling nur Widerwillen entgegenbringende Gesellschaft durch die ihr eigentümliche Zähigkeit, durch Abkehr von dem Fabrikantenhochmut und im Wettstreite um die Kundschaft sich zu immer größerer industrieller Macht emporarbeitet. Am Ende der Geschlechterreihe entsteht den Simler ein neuer Feind, dem die im Wohlstande aufgewachsenen Nachkömmlinge nicht mehr gewachsen sind. Über die Simler hinaus wächst & Co., die anonyme Macht des Kapitals, das den schaffenden Unternehmer vernichten wird. Die geistige Entwicklung der Nachkommen der in der jüdischen Tradition aufgewachsenen Geschlechter, ihr Kampf um das Aufgehen in einem ihnen fremden Kulturgebiet wird bei Bloch nur gefühlsmäßig erörtert. Eine liefgefühlte Kritik dieses inneren Erlebens finden wir in Edmond Flegs jetzt in deutscher Sprache erschienenem Roman „Der kleine Prophet". Über Fleg und seine Dichtung wurde in diesen Blättern vor einiger Zeit berichtet. Ein deutscher Historiker, F. H e m a n, schrieb in seiner Geschichte der Juden (neu herausgegeben von O. V. Harting, Calwer Verlagsbuchhandlung, Stuttgart), „daß eine Reaktion gegen den übernatürlichen trinitarischen Monotheismus des Christentums nach der Natur des Menschengeschlechtes und seiner geistigen Entwicklung sich erheben würde. Es wäre Aufgabe des talmudischen Judentums gewesen, sich dem Christentum gegenüberzustellen und im Gegensalze dazu eine unitarische theistische Weltreligion hervorzurufen. Aber es ist zu schwach gewesen und mußte diese Aufgabe den Arabern, den Schöpfern des Islam überlassen". Diese keineswegs wohlwollende Kritik, von einem Nichtjuden ausgesprochen, wird bei der Lektüre des Romans Flegs gegenwärtig. „Der kleine Prophet" scheint ähnlich zu empfinden und durch die Wirrsale seiner Empfindungen von niemandem, weder Ellern noch Lehrern, verstanden, geht er ins Leben, seinen Weg zu suchen. Ob er ihn finden wird? Wenn auch durch ein Meer gelrennt, wenn auch die Menschen der Umgebung nach Veranlagung und Charakter noch so verschieden, das Schicksal des irrenden Juden scheint immer das gleiche. Ludwig L ew i s o h 11, deutscher Abstammung, im Kindesalter nach Amerika verschlagen, wird in den Bann der englischen Kultur gezogen. Er sieht sein Ideal, in englischer Sprache zu dichten, zu schaffen und die Literatur Englands zu lehren. Das Leben, die Umgebung, die Einsicht, daß dem Juden der Lehrstuhl für die geliebte Disziplin immer verschlossen bleiben wird, bringt ihn seinem Volke wieder näher, lehrt ihn es zu lieben und für seine Zukunft zu kämpfen. „Gegen den Strom" nennt er sein Bekennlnisbuch. Gegen den Strom religiöser und nationaler Feindseligkeit kämpfend, macht der Autor, der fremd dem Judentum erzogene Mensch, die überraschende Entdeckung, daß das trockene Land des Judentums eigentlich ein blühender Garten ist voll der begliickendslcn Ideen, die je für die Menschheit erdacht wrurden. In seinem zweiten Buche „Israel", das leider in deutscher Übertragung noch nicht vorliegt, hat Lewisohn versucht, sich mit den Problemen des jüdischen Lebens auseinanderzusetzen. Dem Milieu entsprechend, wesentlich heiterer und unbedeutender, ist die Geschichte des Sohnes des Moses Mautner von Leopold H i c h 1 e r. Uber eine gute Schilderung des Lebens einer jüdischen

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