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Menorah · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · p. 541

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 9 (September 1927)
Article
Die jüdische Kolonisation und die Wirtschaftslage der Juden in Rußland
Date
1927-09-01
Page
541 (sequence 5)
Language
German
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Die Juden in Bulgarien einst und jetzt Von Dr. Eugenie Singer Die Geschichte des Judentums auf der Balkanhalbinsel läßt sich bis in das Altertum zurückverfolgen. Die ältesten jüdischen Gemeinden sind aus der Missionstätigkeit des Apostels Paulus bekannt, der in Thessalonike, Philippi, Berrhöa, Korinth und Athen jüdische Siedlungen vorfand. In einem an den römischen Kaiser Galigula (37—41) gerichteten Schreiben führt König Merodes Agrippa I. unter den Ländern, in welchen sich um jene Zeit Judengemeinden befanden, auch folgende Gegenden der Balkanhalbinsel an: Mazedonien, Thessalien, Ätolien, Böotien und den Peloponnes. In zwei Befehlen, welche Kaiser Arkadius im Jahre 397 und der junge Theodosius II. im Jahre 412 erließen, wird dem Präfekten Illyriens aufgetragen, für den Schutz der Juden zu sorgen und die Sicherheit ihrer Synagogen zu gewährleisten. Über die jüdischen Gemeinden der Hämusländer, die sich trotz starker Verbreitung des Christentums behaupten konnten, berichtet auch der berühmte jüdische Reisende Benjamin von Tudela in seinen Reisenotizen ,,Massaoth schel Rabbi Binjamin". Als Benjamin von Tudela um das Jahr 1170 Griechenland und Mazedonien auf dem Wege nach dem Orient durchquerte, traf er jüdische Gemeinden in Korfu. Patras, Lepanto, Korinth, ja sogar am Parnaß an, wo die jüdische Bevölkerung Ackerbau trieb. In Theben lebten nach dem Berichte Benjamins 2000 Juden, unter welchen es neben geschickten Seidenwebern und Purpurfärbern auch gründliche Kenner des Talmuds gab1). Das älteste Denkmal, das Kunde gibt von jüdischem Leben auf dem Gebiete des heutigen Bulgarien, wurde im nordbulgarischen Dorfe Gigen, wo sich einst die von Kaiser Trajan gegründete römische Kolonie Oescus erhob, gefunden2). Dies ist eine aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert stammende lateinische Grabinschrift, welche für den ,,Archisynagogus Josephus" errichtet wurde. Der Umstand, daß in einem so entlegenen Orte Mösiens, wie Oescus, im zweiten Jahrhundert eine jüdische Gemeinde mit Synagoge bestand, berechtigt zur Vermutung, daß auch in den anderen, bedeutenderen Städten Mösiens und Thrakiens um jene Zeit jüdische Kolonien existierten3). Aus den Responsa des S. A. Cohen (1592 zu Livorno gedruckt) geht hervor, daß in Nikopol, einem kleinen bulgarischen Städtchen an der Donau, im Jahre 967 eine Ansiedlung byzantinischer Juden bestand1). In der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts werden in Serdica, dem heutigen Sofia, gleichfalls byzantinische Juden erwähnt; die Synagoge dieser

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