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Menorah · 1927-09-01 · Heft 9 (September 1927) · p. Seite 527

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 9 (September 1927)
Article
Jakob Steinhardt
Date
1927-09-01
Page
Seite 527 (sequence 6)
Language
German
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RAPHAEL CIIAMIZER 527 verliehen ist, dies alles nicht nur mit den Augen zu schauen, sondern es in seinem Innersten widerklingen zu lassen. Steinhardts Gemälde sind daher mehr als bloße Landschaftsbilder. Sie sind das stolze Bekenntnis des Juden, der seine wahre Heimat gefunden hat, in dem alte, längst verklungene Melodien wieder erwachen und der sie nun in voller Begeisterung singt. Erst hier hat er sich ganz gefunden, ist der reife Künstler geworden, dem nur eins für sein weiteres Schallen fehlt: die Möglichkeit, weiterhin unter der Sonne Palästinas seine Kunst zu entfalten. Dr. Karl S c h w a r z. as erste Auftreten Raphael Chamizers im Leipziger Kunstverein _I_ß ist eine große Überraschung. Ein Künstler, von dessen Schaffen bisher nichts bekannt war, erscheint mit einer Reihe gewaltiger Plastiken in Bronze und Marmor, die, technisch durchaus vollendet, eine ungeheure Ausdruckskraft und künstlerische Stärke aufweisen. Also ein reifer Künstler, obgleich er sich, der ein beschäftigter Arzt ist, erst seit zwei Jahren der Kunst widmet! Gerade bei einem Plastiker nimmt dies besonders wunder, denn die Bearbeitung des Materials allein erfordert große Übung. Hier aber finden wir eine Sicherheit, wie sie nur dem geborenen Künstler eigen sein kann. Ghamizer besitzt das so seltene Formgefühl, a priori in dem gegebenen Material das Kunstwerk zu erfassen. Der Marmor glitzert und leuchtet, die Bronze fließt und wirkt durch ihre schattenhaften Tiefen. Trotz aller Teilbehandlung ist jedes Werk einheitlich und in sich geschlossen. Aber es ist keine akademische Gelassenheit, nicht ,,Gelerntes" oder Eklektisches, sondern jede Einzelheit ist von stärkstem Willen und Erleben durchzittert. Jedes dieser Werke ist die Tat eines Kämpfers, der rücksichtslos jedes Problem anpackt. Sehnsucht treibt ihn zu dramatischer Wucht, leidenschaftlich arbeitet er und wird bis zur Ekstase getrieben. Seine Gestalten sind durchleuchtet von innerem Feuer, ob er nun einen Savonarola oder eine Salome, den Kopf eines Propheten oder die Büste einer Frau wiedergibt. Nur einmal, in der überlebensgroßen Figur der ,,Trauer'4, schlägt er elegische Töne an, aber auch hier ist es eine Resignation, der man noch das verhaltene Leid anmerkt. Man wird neugierig dem weiteren Schaffen Raphael Chamizers folgen, denn sicherlich haben wir von ihm noch Bedeutendes zu erwarten. Dr. Karl S chwa r z.

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