Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 9 (September 1927)
- Article
- Jakob Steinhardt
- Date
- 1927-09-01
- Page
- 522 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JAKOB STEINHARDT Als wir in diesen Blättern vor nunmehr drei Jahren Jakob Steinhardts Graphik zeigten, konnte mit Recht darauf hingewiesen werden, daß diese Kunst, milieuhaft gebunden, eine Welt veranschaulicht, die, in schwermütige Magie getaucht, den Menschen, den Juden, in unüberwindbaren Grenzen seines Galuthdaseins erschaut. Alle diese Gestalten tragen ein Verhängnis, sind erfüllt von einer schmerzhaften Erkenntnis. Des Künstlers Blick taucht hinab in die Tiefen der Trostlosigkeit. Er ist durchglüht von der Schicksalsschwere dieser dunklen Not, die in stiller Klage, in Trauer und Verzweiflung, in religiöser Ekstase, ständiger Furcht und Gedrücktheit visionär gespensterhaft her auf steigt. Ein neues Erlebnis weist Steinhardts Kunst neue Wege, Er lernt Palästina kennen, wird plötzlich hineingestellt in die Sonne kraftvollen Erwachens, Sprießens und Gedeihens. Strahlende Helle über Bergen und Tälern; neuerstandene Städte und blühende Fluren mit Menschen voll bewußter Lebensbejahung. Was seine Seele früher durchlebt und gelitten, da er, der in seiner Kunst durchaus im Jüdischen wurzelt, nur Schatten und schwerlastende Dunkelheit sah, wird nun Jubelgesang, Freude, Licht und beglückende Wirklichkeit. Seine romantische Versunkenheit, die sich in düsteren Schwarzweißblättern färb- und tonlos ausdrückte, wandelt sich zu naturalistischer Malerei. Die Palette, die ihn ehedem nicht lockte, leuchtet in strahlenden Farben auf. Was er dort sieht und staunend erlebt, ist auch seine Welt, aber eine neue, ungekannte: nicht mehr Verhängnis, sondern Verheißung; nicht Klage und Trauer, sondern beschwingte Daseinsfreude. Steinhardt, der schwerblütige Mystiker, wird zum lebenbejahen* den Realisten. Seine Bilder aus Palästina, die Ernte eines dreimonatlichen Aufenthaltes, sind ein neues Bekenntnis des Künstlers, ein neuer Beweis seines wahren Künstlertums. Nur wenigen ist es bisher gelungen, das Wesen dieses Landes, die Glut der orientalischen Sonne, das frohe Leuchten der Farben und seltsame Flimmern des Lichtes im Bilde wiederzugeben. Alle Maltheorie des Abendlandes wird durch das neue Farbenerlebnis zunichte gemacht. Die silberklare Luft, die hartgezeichneten Schatten, die heroische Einsamkeit der kahlen Höhenzüge sind Phänomene, an 'denen selbst der geübteste Maler zerschellt, wenn ihm nicht die Gabe