Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 9 (September 1927)
- Article
- Ein Jude geht nach Amerika
- Date
- 1927-09-01
- Page
- Seite 521 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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EIN JUDE GEHT NACH AMERIKA 521 Neger. Dort ist ein Jude zwar ein Jude. Aber er ist in der Hauptsache ein Weißer. Zum erstenmal bietet ihm seine Rasse einen Vorteil. Der Ostjude fährt dritter Klasse, beziehungsweise Zwischendeck. Die Überfahrt ist besser, als er es sich vorgestellt hat, aber die Landung ist schwieriger. Schon die ärztliche Untersuchung im europäischen Hafen war übel genug. Nun kommt auch noch eine strengere Untersuchung. Und irgendwo stimmen die Papiere nicht ganz. Es sind zwar richtige, mit großer Mühe erhaltene Papiere. Aber sie sehen dennoch so aus, als ob sie nicht stimmten. Möglich auch, daß auf dem Schiff ein Ungeziefer sich ins Hemd des Juden geschlichen hat. Alles ist möglich. Und der Jude kommt in eine Art Gefangenschaft, die man Quarantäne nennt, oder ähnlich. Ein hoher Zaun schützt Amerika vor ihm. Durch die Gitter seines Kerkers sieht er die Freiheitsstatue und er weiß nicht, ob er oder die Freiheit eingesperrt ist. Er darf nachdenken, wie es in New York sein wird. Er kann sich's kaum vorstellen. So aber wird es sein: er wird zwischen zwölf stöckigen Häusern, zwischen Chinesen, Ungarn und anderen Juden wohnen, wieder ein Hausierer sein, wieder die Polizei fürchten, wieder schikaniert werden. Seine Kinder werden vielleicht Amerikaner werden. Vielleicht berühmte Amerikaner, reiche Amerikaner, Könige irgend eines Materials. Davon träumt der Jude hinter den Giltern seiner Quarantäne.