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Menorah · 1927-08-01 · Heft 8 (August 1927) · p. 491

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 8 (August 1927)
Article
Franz Kafka
Date
1927-08-01
Page
491 (sequence 1)
Language
German
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FRANZ KAFKA Notizen zu seinem Nadilaßroman „Das Schloß" Von Manfred Sturmann i. Als Franz Kafka, der Präger jüdische Dichter, einundvierzigjährig starb, nachdem er nur einen Bruchteil seines Werkes, wenige schmale Bände, den Weg in die Öffentlichkeit halte gehen lassen, also noch nicht in seiner gesamten schöpferischen Gestalt in Erscheinung getreten war, gab es bereits einen Freundeskreis oder, sagen wir ruhig, eine kleine Gemeinde, die in diesem Dichter den großen Epiker ahnten, als den er sich nach seinem Tode erweisen sollte. Wer seine Bücher — vor dem Todesjahre 1924 — bewundert und geliebt halte, wem seine blühenden Einfachheiten der Sprache unvergeßlich eingeprägt waren, der mochte wohl in diesen Kurzgeschichten, diesen seltsam ruhigen und doch von verhaltener Leidenschaft durchzillerten Aufzeichnungen die farbige, gläubige Welt des Genius erschaut haben. II. Es ist keine trügerische Erkenntnis gewesen, wie auch jene, die nur gehofft halten, nicht enttäuscht wurden. Max Brod gab den nachgelassenen Roman ..Der Prozeß" heraus. Da stand klar vor uns die Gewißheit, daß wir mit Franz Kafka einen Epiker ganz großen Formales verloren hatten, und man scheute sich nicht, seinen Namen neben denen der unvergänglichen Prosaschöpfer der Weltliteratur zu nennen. Kafka hat in diesem Roman das Bekenntnis abgelegt, daß das menschliche Leben einem „Prozeß" gleich!, der immer verloren wird. Eine feingegliederte Gerichtsbehörde treibt ihr Spiel mit dem „Angeklagten", von dessem Geschick und von dessen Freunden es abhängt, das Verfahren zu verschleppen. Denn nur Verschleppungstaktik ist geboten: Der Fall ist a priori hoffnungslos. Es wird immer Indizien geben, immer unvermutete Belastungszeugen, welche den geheimnisvollen Richtern zur Hand sind. Das ,,Urteil" ist nur hinauszuschieben, nicht zu umgehen. Die Exekution erfolgt unnaehsichüich. Ich erinnere an Kafkas Schlußsalz, an die Bemerkung eines Henkers: ,,Wie ein Hund!" sagte er, ,,und es war, als sollte die Scham ihn überleben." III. Nun ist vor kurzem der zweite nachgelassene Roman Franz Kafkas ..Das Schloß" erschienen, welcher fast eine Erweiterung, eine Bestätigung des ersten bedeutet. Beide Bücher sind irgendwie parallel gerichtet. Hier wir dort das menschliche Schicksal in marionellenhafler Verzerrung, ausgeliefert der übergeordneten Macht schlechthin. Aber war im ,.Prozeß" das Menschliche plastisch geworden und uns erschreckend nahegerückt, so ist es im „Schloß" das Göttliche. In beiden Werken ein Erdgebundener, hoffnungslos verstrickt in eine natürlich-feindliche Welt; hier wie dort der nicht zur Erhörung gelangte Ruf zur letzten, in sich ruhenden Weisheit. Und doch: Dieser Ruf klingt aus dem ..Schloß" vernehmlicher und erschütternder. Hat sich der Held im „Prozeß" müde gekämpft gegen die Übermacht jener geheimnisvollen Gerichtsbehörde, war er gebrochen in lähmender Resignation und hatte er schließlich die gequälte Brust den Dolchen der Exekulionskommission dargeboten — so ist der Landmesser K. im „Schloß" ein anderer. IV. Sein Weg ist ganz auf Kampf und Auflehnung gestellt. Darum ist dieser zweite Roman der größere, der männlichere vielleicht. Was uns nach der Lektüre des „Prozeß" als

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