Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 8 (August 1927)
- Article
- Ein paar Liebermann-Anekdoten
- Date
- 1927-08-01
- Page
- Seite 470 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912874-2920196--05235-2920311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
470 MENORAH Irgend jemand hat verbreitet, Lesser Ury hätte behauptet, er hätte an den Bildern von Liebermann mitgemalt: „Das kann er ruhig erzählen," sagt Liebermann, „dat jeht mich jar nischt an. Aber den Augenblick, wo er erzählt, daß ick an seine Bilder mitjemalt habe, verklag' ick ihn!" ♦ Ich löchere ihn über technische Fragen bei einer seiner Radierungen, ob diese Stelle kalte Nadel, jene Vernis mou usw. „Dat is ja ganz ejal," sagt er endlich „wie dat jemacht is... man kann auch den Finger----und es damit machen; die Hauptsache ist, ob's gut wird oder schlecht." ♦ „Dat soll nich ähnlich sein? Ick hab' Sie sogar ähnlicher jemalt, wie Sie sind." ♦ Der alte Paechter, der Japanpaechter, hat schöne Utamaros und Haronubus, Farbenholzschnitte. Liebermann tauscht sie . . . er ist noch nicht der berühmte Maler . .. gegen Aquarellen, Gouachen, Studien und Zeichnungen. Das Geschäft wickelt sich so ab: Paechter... (am Vormittag): „Unter 1000 Mark ist das Blatt nicht zu haben." Liebermann... (am Nachmittag): „Ja, guter Herr Paechter, vor weniger wie 1000 Mark is bei meine Studien nischt mehr zu machen." Am nächsten Tag... Paechter: „Denken Sie nur, ein erstklassiger Utamaro ist heute schon unter 1000 nicht mehr zu haben." Liebermann: „Man soll's nicht glauben: 1000 Mark zahlen Se jetzt schon vor so kleene Studien von mir." ♦ Meine Tante Jenni kommt zu ihrer Freundin Pinchen — das mag so 45 bis 50 Jahre her sein. — Da hängt doch ein Bild an der Wand, nichts wie aufgeweichter Feldweg und abgeerntetes Kartoffelfeld und ein paar Feldarbeiter und Feldarbeiterinnen . . . „Um Himmelswillen, liebes Pinchen, was ist denn das bloß?" ruft Tante Jenni entsetzt! „Ach," sagt Pinchen entschuldigend. .. „weißt du, mein Sohn Max ist doch Maler... er liebt solche Motive . .. er findet das nämlich schön!" Heute ist das Bild ein Stolz der Berliner Nationalgalerie. Der Prophet gilt nichts im Vaterlande!