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Menorah · 1927-08-01 · Heft 8 (August 1927) · p. 463

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 8 (August 1927)
Article
Der Künstler Liebermann
Date
1927-08-01
Page
463 (sequence 1)
Language
German
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DER BRIEFSCHREIBER Ich weiß nicht mehr, wer mal gesagt hat, wenn er sich über etwas klar werden wolle, so schreibe er ein Buch; ich in meiner Unklarheit schreibe einen Brief." Uber Rembrandt, 1894: „II peignait bien, parce qu'il a bien senti", sagt Fromentin irgendwo von Rembrandt, und weil, Gott sei Dank, die Empfindung wieder anfängt die Hauptsache zu werden in der Kunst, ist uns Rembrandt näher als irgend einer der großen Meister. Und ein zweites Moment läßt uns ihn so eminent modern erscheinen. Das ist seine Pietät vor der Natur, Zwar wollen uns die Neu-Idealisten einreden, daß die wahre Kunst über die einfache Wiedergabe der Natur hinausgehen soll. Ich glaube dagegen, daß, nachdem Neu-Idealisten, Symbolisten usw. abgewirtschaftet haben, die Kunst erkannt werde in der nature vue ä travers d'un temperament. Beweis: die Qliattrocentisten und vor allem — Rembrandt. Sie empfanden die Natur poetisch, aber sie wußten, daß die Natur die größte Künstlerin. Und vor allem waren die Italiener wie Rembrandt naiv, während heut zu Tage wie mir scheint, nachdem wir mühsam den Weg zur Natur zurückgefunden, wir uns schon wieder auf Irrwegen ins Labyrinth der sogenannten Poesie Hals über Kopf hineinwerfen. Videant consulesl" Uber den selben 1905: „Dieser stolzeste, freieste, größte Maler aller Zeiten muß diesen Mystikern (L. meint die falschen, die einer gemalten Poesie das Wort reden) ein Dorn im Auge sein, weil er, was er zu sagen hat, einfach ausdrückt, weil er sein Gefühl — das Kriterium des wahren Künstlers — mit den Ausdrucksmitteln seiner Kunst wiedergibt. Und er ist der größte Maler aller Zeilen, weil er die Ausdrucksmittel bis zu einer Höhe und Weite treibt, wie keiner vor ihm und keiner nach ihm: er sieht nicht das sogenannte Malerische, sondern er faßt das Leben und die Natur einfach malerisch auf." Von der Natur, 1894: „Nachahmung der Natur, der schönen, Ich ging wohl auch auf dieser Spur, mich zu gewöhnen — allein erst die Auffassung der Natur macht den Künstler und die Wiedergabe der künstlerisch aufgefaßten Natur den Stil. Nun ist's allerdings viel bequemer, den Stil früheren Epochen zu entnehmen.

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