Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1927)
- Article
- Das jüdische Parteileben
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 358 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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358 MENORAH Grenzen des oben genannten Regionalismus. Die galizische allgemeine zionistische Partei lenkte ihr Haupaugenmerk auf die wirtschaftlichen Interessen des Kaufmannstandes, zum Teil auch des Handwerks, und geriet dadurch in gewissem Sinne auf die Bahn des politischen Opportunismus, während die kongreßpolnischen Zionisten in der Realisierung der politischen Ziele die Garantie einer wirtschaftlichen Gesundung suchen und daher die unbedingte Einhaltung der programmatischen politischen Linie propagieren. Von den anderen zionistischen Fraktionen stützt sich der Hitachdut hauptsächlich auf die Jugend, welche die Konzentrierung aller öffentlichen Tätigkeit auf Palästina und die mit Palästina verbundenen kulturellen Probleme fordert. Der M i s r a c h i, als Organisation der zionistischen Orthodoxie, stützt sich auf Elemente des orthodoxen Kleinbürgertums und stößt dabei auf die Konkurrenz der antizionistischen Orthodoxie (Aguda). Die Aguda strebt die Schaffung einer politischen Organisation zum Schutze der religiösen Interessen des orthodoxen Judentums an. Ihre Organisation hat in Kongreßpolen — zum großen Teil dank den Bestrebungen deutscher Rabbiner während der Okkupationszeit — Fuß zu fassen vermocht. In Galizien konnten bis heute ernste organisatorische Resultate nicht erzielt werden. Dies wäre hinsichtlich Kongreßpolens der p ositiven Stellung der dort einflußreichen Wunderrabbis, hinsichtlich Galiziens der negativen Stellung der Wunderrabbis einer politischen Orthodoxie gegenüber zuzuschreiben. Im polnischen Parlament sitzt nur ein Vertreter der Aguda aus Galizien, die übrigen sind aus Kongreßpolen gewählt. Zu nennen wäre noch die jüdische Volks partei in Kongreßpolen, welche einen Abgeordneten (außerhalb des jüdischen Klubs) im Parlamente besitzt, und die Organisation der jüdischen sozialistischen Arbeiter („Bund"). Die Volkspartei steht auf national-jüdischer Basis, stellt aber das Postulat der jiddischistischen Kultur voran und verhält sich dem Palästinaprogramm der Zionisten gegenüber wohlwollend neutral. Letztens verfiel die Partei einer Desorganisation, aus der der litauische (Wilnaer) Flügel durch eine Neuorganisierung unter Änderung des Namens in ,, jüdisch-demokratische Partei" herauszukommen sucht. Der „Bund" ist als Organisation der sozialdemokratischen jüdischen Arbeiterparteien die zahlreichste und einflußreichste. Obwohl der „Bund" anläßlich der letzten Sejmwahlen in ganz Polen 80.000 Stimmen auf sich vereinigen konnte, gelang es ihm nicht, ein Mandat zu er- Sejmdeputierter Jizchak Grünbaum