Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1927)
- Article
- Von Ghetto zu Ghetto
- Date
- 1927-06-01
- Page
- 348 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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„Alte Schul", in Krakau, erbaut gegen Ende des XIV. Jahrh. Nordseite gesehen von der Breitegasse, nach einer Aufnahme aus dem Ende des XIX. Jahrh. Voran mit dem Werke der Vernichtung ging Posen. Noch führt eine Gasse den jahrhundertealten Namen Judengasse, aber bereits zu Anfang des 19. Jahrhunderls wurde der Eingang in diese Gasse erweitert, das Jesuitenhaus mitsamt dem Judenlor abgebrochen und Licht und Luft in die Gasse gebracht. Noch aber standen ein ganzes Jahrhundert lang in der Gasse die beiden uralten Synagogen, die aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammten und, hart aneinander gestützt, Zeugen der alten Herrlichkeit und des alten Schmerzes der Judenstadt waren. Und sie waren die einzigen Zeugen, da der alte Friedhof, der die leiblichen Überreste der Großen Israels und seiner Märtyrer barg, im Jahre 1805 abgetragen wurde, um der neuen Stadt Platz zu machen. Im Jahre 1908 wurden aber auch beide Synagogen abgetragen und an ihrer Stelle erbaute der bekannte Ingenieur Dr. Grotte die schöne Latzische Stiftung, die nunmehr den Rest des jüdischen Lebens in Posen in sich birgt. Von den alten Gotteshäusern blieb kaum die kleine Nehemiasklaus bestehen. Viel mehr als in Posen blieb in Krakau übrig. Zwar wurden auch hier die Mauern und Tore des Judenviertels abgebrochen, aber die Juden blieben zurück und mit ihnen ihre Synagogen und Friedhöfe. Die ringartige Breitegasse bildet bis heute den Tummelplatz des Ghetto und um den Platz stehen die vielen Synagogen, die sehr weit in das Mittelalter zurückblicken. So steht an der Schmalseile die Alte Schul mit ihrem romanischen Unterbau und gotischer Wölbung, mit der Allika im Stile der Krakauer Renaissance, mit den zwei Säulen, die die Wölbung tragen, und dem wunderbar in Eisen geschmiedeten Almemor. Und unweit dieser Synagoge, die ins 14. Jahrhundert zurückreicht, steht die R e m ohschu l, erbaut im Jahre 1556 von Israel Isserl, dem Vater des berühmtesten Gelehrten Polens, Rabbi Mosche Isseries (Remuh), und von demselben wunderschön ausgeschmückt. Die fein geschmiedeten Türen zum Aron Hakkodesch zeugen vom guten Geschmack des Stifters. Die Synagoge steht auf einem Friedhof, auf dem die G d o 1 e i K r a k ö w, Krakaus Größen, Gelehrte und Märtyrer begraben sind. Leider ist dieser Friedhof — gleich allen anderen in Polen — stark vernachlässigt, die Steine werden nicht gepflegt und gehen mit jedem Tage ihrem Verfall immer mehr entgegen. Diesem Friedhof gegenüber, in der Mitte des Platzes, befindet sich ein zweiter, viel kleinerer Friedhof, mit einer niedrigen Mauer umfriedet, innerhalb der keine Leichensleine mehr zu sehen sind. Eine alte Legende erzählt, daß hier ein junges Paar,