Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1927)
- Article
- Die Juden in Linz
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 312 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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312 MENORAH sagen, daß die Juden „von altersher haussässig", „in der Altsladl seßnnd wohnhaft waren'*. Als Hausbesitzer in jener Zeil wird mich ein Jude Friedl genannt. Die Juden halten damals eine eigene Synagoge (in dem Hause Hahnengasse Nr. 6), über die der Stadtchronist Sinl (B. IV, S. 505) folgendes berichtet: „Um diese Gegen 1, allwo anietzto dieses Kirrchl oder Capellen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit stellet, sind von altersher die Juden haussassig gewesen und war an Jenem orth der Kapellen der Juden, Ihre Synagog oder der Juden Schnell (Schule), welche als auch des Hitschleins Judlens Haus der Martin Raininger kristlich an sich gebracht und aus dieser Synagog ermeltes Kirchl oder Capellen zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit 1426 von neuem erbauet." Der Jude Friedl hatte sein daselbst befindliches Haus an den Linzer Bürger Stephan Schwannes verkauft, welches genannter Raminger 1428 auch an sich brachte und als das sogenannte Pfannensteinhäusel als Wohnung für den Kaplan und Meßner bestimmte. Diese beiden Juden Hirschlein und Friedlcin ließen sich 1334 taufen. Die eine Chronik3) läßt keinen Zweifel darüber, daß außer den Genannten noch andere Juden schon damals in der Stadl wohnten, und Fink spricht davon, daß die genannten zwei noch andere Häuser in der Altstadt besaßen. Für die Richtigkeit dieser Annahme spricht die Angabe in einer Urkunde aus dem Jahre 1336, die Judlein den Juden als Hausbesitzer nennt. (O.-Ö. Urk.-Buch VI, S. 209, Nr. 206. Linz, 25. Juli 1336.) Es mag sein, daß die Ereignisse von 1306 und 1308 nicht ohne Einfluß auf Linz und Oberösterreich blieben. Unter der Regierung Albrechts I. trug sich in Kloslerneuburg wegen einer Hosliengeschichte, deren Betrug der Bischof von Passau entdeckte, eine Judenverfolgung zu, während die Judenschlächterei durch den Edelmann Rintfleisch schon vorher in Deutschland die Judengemeinden ausgerottet hatte. Albrecht L, in schwerer Fehde mit seinem Gegner Adolf von Nassau, wrar nicht in der Lage, die Juden ausreichend zu schützen, wenn es ihm auch an gutem Willen nicht fehlte. Sehr richtig schreibt eine jüdische Chronik (Scheerith Israel, 2. Th. d. Josippon): „Albrecht von Österreich hat sehr gerne gewollt verhindern, daß man die Juden gewalt nit soll antun, aber er hat nit gedurft, denn weil es mit ihm schlecht stund; viele wollten haben für einen Kaiser Adolf von Nassau, da hat er Furcht gehabt, dass er sich dadurch selbst das gemaine Volk zu Feinden macht; danach als Albrecht übergewonnen hat, hat er den Juden wiedergegeben ihre erste Freiheit." Dementsprechend weiß auch Kurz (S. 38) von dem Eintreten Albrechts I. für die Juden und der ihm dadurch erwachsenen schiefen Lage zu berichten: „So anstössig erschien sein Benehmen vor den Augen des Klerus und des Volkes in Österreich: man hörte auf, für ihn zu beten. Die Liebe seiner sonst treuesten Anhänger erkaltete. Die widerliche Roheit und Unwissenheit des damaligen Volkes in Österreich stellte sich auch in Rücksicht der Juden in ihrer vollen Blosse dar." 1308 kamen die Kreuzzügler nach Österreich. Ihr Verhalten ist mit zwei Sätzen desselben Geschichtsschreibers gekennzeichnet (S. 83): „Kein Ort blieb von ihnen verschont. Vorzüglich ungestüm benahmen sie sich gegen die Juden, da-