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Menorah · 1927-05-01 · Heft 5 (Mai 1927) · p. Seite 995

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 5 (Mai 1927)
Article
Auf dem Hügel
Date
1927-05-01
Page
Seite 995 (sequence 5)
Language
German
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AUF DEM HÜGEL 295 Zwei geballte Fäuste erhoben sich gleichzeitig, flogen kräftig hin und her und ertranken im Geheul der Weiber: „Um Gottes willen ... Mörder..." „Um Gottes willen, er erschlägt ihn . . Das hat man auf dem Hügel noch nicht gesehen: Blut. Nun sprangen von beiden Seiten behaarte Männer mit dichten Bärten herbei: „Was soll denn das heißen — Mörder. . ." Man riß die Kämpfenden auseinander. Die Weiber von der einen und der anderen Seite des Zaunes führten sie in die Stuben, indem sie dem einen die blutende Nase, dem anderen die zerschlagene Lippe trockneten. Und Scheindale klagte tränenden Auges, mit der Melodie des Weibergebetes: „Weh und ach. . . deine Kapureh... die Kapureh für deinen mindesten Nagel soll er werden .. . dieser Tischlergeselle, dieser Mörder, dieser Dieb. . . Weißt du denn, wer er ist..." Man drängte sich um ihn, fächelte ihm Kühlung, gab ihm einen nassen Umschlag um die Nase und duzte ihn in Treue und Dankbarkeit wie einen Verwandten, der in die Familie hineingewachsen war. Die Sonne sank wie eine glühende Kugel, erlosch im rötlichen Staub der Straße drunten am Fuße des Hügels und ließ die Bäume kurze Schatten werfen. Breindel lief gebeugt, mit dem schweren Stock in den kühlen Abend fuchtelnd, um die Gänse von der Weide heimzutreiben. Unten am Fuße des Hügels begegnete sie dem Vater. Schmiel- Jossje ging gesenkten Hauptes, das Gebetbuch unter dem Arm, ins Städtchen hinunter, um das Minchah- und Maariw-Gebet zu verrichten. Schmiel-Jossje pflegte nur dann zum Minchah- und Maariw- Gebet ins Städtchen hinunterzugehen, wenn er Jahrzeit hatte, aber heute traf dies nicht zu. Zu welchem Zwecke ging er denn heute ins Städtchen? Er ging abseits vom Wege auf den harten, trockenen Erdschollen. Die Juden am Markte mit den mehlbestaubten Bärten, den Kaftan auf einer Achsel tragend, schlössen gerade ihre Läden. Es roch nach Kuhmist und frischer Milch in der bläulich-verklärten Abenddämmerung. Schon kehrte die Herde heim von der Weide. Die Schäflein, schwer und vollgefressen, drängten sich im rötlichen Staube aneinander und meckerten, indem sie die Köpfe hoben. Der barfüßige Hirt, mit der zerschlissenen Tasche um die Hüften, knallte mit seiner langen Peitsche; und der Herde voran lief, wie immer gesondert, ein großes, schwarzes Schwein. (Fortsetzung folgt.)

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