Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1927)
- Article
- Die Sagen der Juden
- Date
- 1927-05-01
- Page
- Seite 281 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE SAGEN DER JUDEN 281 vertrauen stets darauf, daß der Herr Wunder tun wird. Gleich beim Auszug aus Ägypten wurden Schall- und Spielgeräte von ihnen mitgenommen. Die Kinder Israel sprachen vor dem Herrn: Herr aller Wellen! Alle, die sich wider uns erhoben haben und uns vernichten wollten, sie sind doch auch deine Feinde; deine Gewalt und dein Grimm werden sie wie Stoppeln verzehren. Und weiter sprachen die Kinder Israel: Keiner gleicht dir unter den Erzengeln, daher ihre Namen von deinem herstammen, daher heißen sie Michael, Gabriel, Raphael. Wer ist wie du unter den Göttern, o Herr? Und Pharao stimmte auf ägyptisch in den Gesang ein und rief: Wer ist dir gleich, der so mächtig, so heilig, so schrecklich, so löblich, so wundertätig wäre? Da du deine rechte Hand ausstrecktest, verschlang sie die Erde. — Der Herr sprach nämlich zur Erde: Empfange und birg in deinem Schoß die Toten. Die Erde erwiderte: Herr aller Welten! Das Meer hat sie getötet, das Meer möge sie bergen. Der Herr aber sprach: Nimm diesmal die Leichen auf; ein andermal will ich welche, die auf dem Festlande umgekommen sind, ins Meer versenken. Und dies geschah auch nachher, wie es im Liede Deboras heißt: Der Bach Kison wälzte sie, der Bach Kedumim. Die Erde aber zögerte dennoch und sprach: Gebieter der Welt! Beschwör es mir bei deiner Rechten, daß du diese Toten nimmer von mir wiederverlangen wirst. Alsbald streckte der Herr seine Rechte aus und schwur ihr, daß er sie nimmer herausziehen würde. Da tat die Erde ihr Maul auf und verschlang die Ägypter. Als aber die Könige der Erde von dem Auszug aus Ägypten und der Spaltung des Schilfmeeres vernahmen, erbebten sie und erschraken und verließen ihre Throne. Da sprach Mose zu dem Herrn: Herr aller Welten! Laß deine Furcht und deinen Schrecken über sie kommen, daß ihr Herz zu Stein erstarre, bis daß Israel das Meer überschritten hat. Du wirst sie dann hineinbringen und sie einpflanzen auf dem Berg deines Erbteils. Da sprach Gott zu Mose: Mose, du sagst nicht: Du bringest uns und du pflanzest uns —, sondern: du bringest sie und du pflanzest sie! Es bringt aber der ein Volk heim, der es hinausgeführt hat. Und weiter sprach der Herr: Bei deinem Leben, es soll nach deinen Worten sein. In dieser Welt bist du ihr Führer; in Zukunft aber werde ich sie pflanzen getreu und ehrlich, daß sie von ihrem Boden nicht herausgerissen werden können. Deshalb heißt es auch: Ich will sie in ihrem Lande pflanzen.