Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1927)
- Article
- Die jüdische Kultusgemeinde in Linz und ihr Tempel
- Date
- 1927-01-01
- Page
- None (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912872-2919630--04773-2919740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
MENORAH Die zionistische Bewegung hat bei uns zahlreiche Anhänger gefunden. Besonders nach dem Kriege hat die Jugend mit der ihr eigenen Begeisterungsfähigkeit sich dieser Richtung angeschlossen. Im Kultusvorstand sind neun zionistische Mandatare mittätig, es besteht eine blühende zionistische Landesorganisation, rührige Keren Kajemeth l'Jisroel- und Keren Hajessod-Kommissionen. Neben diesen Institutionen haben auch der Jüdische Turn- und Sportverein, eine Gründung des H. Emil Bruder, dann der Geselligkeitsverein „Gleichheit" längst ihre Existenzberechtigung im jüdischen Gemeindeleben erwiesen. Die Erstarkung des jüdischen Lebens in Steyr und Salzburg brachte es mit sich, daß sich in beiden Orten zuerst Bethausvereine unter der Ägide der Muttergemeinde Linz und dann später eigene Gemeinwesen gebildet haben. Steyr ist früher selbständig geworden. In Salzburg erfolgte die Bildung der Gemeinde im Jahre 1911. Bei der Installation dieser Gemeinde wurde die Gemeinde Linz von mir und dem Vorsteherstellvertreter H. Dr. Schneeweiß vertreten. Wir haben damit dem guten Einvernehmen, das uns seit je mit unseren Salzburger Glaubensbrüdern verband, Ausdruck verliehen. Ganz besondere Anforderungen traten an die Gemeinde während der Kriegsjahre 1914 bis 1918 heran. Galt es doch, den religiösen und staatsbürgerlichen Schutz für 20.000 jüdische Soldaten, Flüchtlinge, Internierte und Kriegsgefangene zu übernehmen, durch unseren lokalen Einfluß ihr bejammernswertes Los zu lindern, ihnen, wo es nur angängig war, Erleichterungen zu verschaffen und voreingenommenen Haß zu brechen. Zu diesem Zwecke wurde ein eigenes Landeshilfskomitee errichtet, in dem unter meiner Führung, außer unseren ständigen Beamten und aufgenommenen Hilfskräften, als freiwilliger unermüdlicher Helfer der derzeit in Salzburg lebende H. Max Sonn tätig war. Es ist nicht möglich, die Namen aller jener zu erwähnen, die sich im Laufe der Jahre um das Gedeihen der Gemeinde verdient gemacht haben. Des dankbaren Gedenkens können sie versichert sein. Wenn auch die Gemeinde mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft äußerst sparsam umgegangen ist und bis heute nur fünf Männer, und zwar: Se. Ehrwürden H. Rabbiner Dr. Abraham Salomon Frank, H. Josef Wallerstein, H. Rat Leopold Mostny, Se. Ehrwürden H. Rabbiner Moritz Friedmann und H. Bernhard Taussig ausgezeichnet hat, wären noch viele dieser Auszeichnung würdig gewesen. Unsere Väter und Mütter haben uns in der Gemeinde ein Erbe übergeben, von dem das Goethe-Wort: ,,Erwirb es, um es zu besitzen" gilt. Wir wollen selbst zum Weiterbau beitragen, um dadurch das uns Überkommene mit Recht zu besitzen, um diese Traditionen unseren Kindern zu hinterlassen, damit sie dereinst das Fest der hundertjährigen Wiederkehr der Tempelerrichtung im Sinne und Geiste der Gründer feiern können.