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Menorah · 1927-01-01 · Heft 5 (Mai 1927) · p. None

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 5 (Mai 1927)
Article
Die jüdische Kultusgemeinde in Linz und ihr Tempel
Date
1927-01-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Die Jüdische Kultusgemeinde in Linz und ihr Tempel Von Benedikt Schwager räsidcnt der Jüdischen Kultusgemeinde Linz o weit zurück ins frühe Mittelalter sich auch die Anwesenheit von Juden auf obderennsischem Boden nachweisen läßt, so jung ist verhältnismäßig die heutige jüdische Gemeinde und ihr Tempel, dessen fünfzigjähriges Bestehen am 26. Mai 1927 gefeiert werden soll. Siebzig Jahre besteht unser Linzer Gemeinwesen erst und doch gehören seine Anfänge schon einer für die Generation der Gegenwart geschichtlichen Zeit an, an die zu erinnern, die Abstattung einer Dankesschuld an alle jene Männer, deren Leben und Wirken unsere heurige Feier ermöglicht hat, bedeutet. Jeder Jude, der einmal Schilderungen des müh- und armseligen Lebens der jüdischen Dorfgeher des 19. Jahrhunderts las, wird von Bewunderung für das stille Heldentum dieser einfachen Menschen, der Vorfahren der meisten Mitglieder unserer Gemeinde, erfüllt. In kleine, armselige Orte Südböhmens, Mährens, des Burgenlandes zusammengepfercht, trieb sie die Not in die ländliche Umgebung. Mit ihrer stets gleichbleibenden Last am Rücken wurden sie die unentbehrlichen und vielfach gerne gesehenen Vermittler zwischen bäuerlichen und gewerblichen Produzenten. Dabei blieben sie, wie schwer es auch war, strenggläubige und gesetzestreue Bekenner des Judentums und gerade das hat ihnen die Achtung und das Zutrauen des sonst schwer zugänglichen katholischen Landvolkes erworben. Tief in die Alpenländer, die der Ansiedhuig von Juden damals verschlossen waren, drangen sie in regelmäßigen Wanderungen vor. Das aber brachte es mit sich, daß es ihnen unmöglich wurde, den stets geheiligten und geliebten Sabbat, den Tag, an dem auch der Ärmste zum Edelmanne wurde, im Kreise der Familie, in der Schul der heimischen Kehilla zu verbringen. Um so freudiger haben sie es daher begrüßt, als der Jude Markus Sonnenschein in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts als einer der wenigen die Erlaubnis erhielt, sich in Linz niederzulassen und hier eine rituelle Garküche zu errichten. Durch Anstellung eines Vorbeters, seines späteren Schwiegersohnes David Kauder, der zugleich auch Schächter und Mohel war, wurde die Abhaltung von Gottesdiensten ermöglicht. Das von Kauder geführte Mohelbuch reicht bis ins Jahr 1857 zurück, Moritz Spitz aus Rosenberg war Gevatter bei der ersten darin verzeichneten Beschneidung. Die liberalere Auffassung, die sich damals Bahn zu brechen begann, ermöglichte es, daß sich Juden, die bis dahin nur dreitägige Aufenthaltsbewilligungen beim Bürgermeisteramte erwirken konnten, nun hier dauernd niederlassen durften. Von dieser Erlaubnis haben mehrere Familien, deren Namen noch heute in unserer Gemeinde guten

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