Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 4 (April 1927)
- Article
- Sippurim [Rezension] / E. M.
- Date
- 1927-04-01
- Page
- 268 (sequence 1)
- Language
- German
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SIPPURIM. Präger Sammlung jüdischer Legenden in neuer Auswahl und Bearbeitung. Herausgegeben ' von Siegfried Schmitz. R. Löwit (Dr. M. Präger) Verlag, Wien, 1927, 2. Auflage Eines der beliebtesten jüdischen Volksbücher in deutscher Sprache, in welches sich in einer Epoche der Verdeutschung des westlichen Judentums manches vom sagenwebenden jüdischen Volksgeist gerettet hatte. In bunter Mischung erscheinen hier Bestandstücke alter Midraschim, Legenden, die sich an die Namen der großen Gelehrten des Mittelalters knüpfen, neben dem Hauptteil: den eigentlichen Prager Sippurim, in denen oft auf eigentümliche Weise innere Volkstradilion mit slawischen Einschlägen, kernhaft jüdische Lebenstypen mit neuzeitlich historischen Erinnerungen, mit dem wundersamen Kolorit des alten Prag im Hintergrunde, verschmolzen zeigen. Dazu kommen andere Volkslegenden aus sehr junger Zeit, wie die vom Begräbnis des Nikolsburger Landrabbiners Mordechai Benet und die von der merkwürdigen Prophezeiung des Baalschem an Napoleon. Drei Stücke behandeln auch, mehr im Tone des Berichtes, einige an sich sagenhafte Abzweigungen des jüdischen Stummes. In der ursprünglich von Wiener und Schmilz gemeinsam unternommenen und dann von Schmitz allein fortgesetzten Sichtung und Sammlung — wobei in die zweite Auflage auch einige köstliche Stücke neu aufgenommen sind — wurden die sentimental romanhaften Einkleidungen der in den Sechzigerjahren von Pascheies veranstalteten Ausgabe weggelassen und die Sagen in knappem Berichtstone gehalten, der das dramatische Element oft stärker hervortreten läßt, wenn auch wiederum manchmal etwas mehr von gefühlhafter Begleitung der Berichte erwünscht wäre. Eine wertvolle Ergänzung wäre es, wenn die Legenden analog jenen, welche in Ben Gorions „Born Judas" wiedergegeben sind, soweit als möglich auf ihre Ursprünge verfolgt würden. Die vom Herausgeber gegebene Anregung zur Sammlung linausgegebener Legendenschätze im westlichen Judentum ist nur zu begrüßen. E. M. ANNA FREUD: KINDERANALYSE. Internationaler Psychoanalytischer Verlag. Wien, 1927 Vier Vorträge aus der Feder der eingeweihtesten Jüngerin der Wiener psychoanalytischen Schule, über ein Gebiet, das noch zum größten Teil Neuland ist. Das Fazit aus der Erfahrung mehrjähriger analytischer Arbeit an Kindern. Wie alle neugewonnenen Erkenntnisse der Psychoanalyse nicht nur für die Beurteilung pathologischer Seelenvorgänge wichtig sind, sondern stets auch überraschende Aufschlüsse und Rückschlüsse auf das allgemeine Seelenleben gestatten, so sind auch Anna Freuds Untersuchungen und deren Ergebnisse von Interesse für einen weiten Laienkreis, insbesondere den erzieherisch orientierten. Der moderne Pädagoge, vor allem auch der Schulpädagoge, ist heute ohne Kenntnis der Psychoanalyse nicht mehr auf der Höhe des wissenschaftlichen Zeilniveaus seines Faches. In dem Büchlein von Anna Freud mag er vielleicht am meisten Gewinn ziehen aus den Betrachtungen über das Über-Ich beim Kinde. Das Uber-Ich als psychoanalytischer Terminus, bezeichnet ,,die Summe der ethischen und ästhetischen Forderungen, die die Gesellschaft an das Einzelwesen stellt. Das In-