Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 4 (April 1927)
- Article
- Joel Engel
- Date
- 1927-04-01
- Page
- Seite 265 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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JOEL ENGEL 265 thusiasmus. Der große Melodienreichtum, die ergreifende Innigkeit und Eigenart der Lieder fesselte die Zuhörer und weckte in ihnen ein starkes Echo. Das war die Geburtsstunde der jüdischen Musik, deren Wiege zwischen zwei Welten stand und steht: der des Ostens mit ihrer Überlegenheit des Gefühlsmäßigen, des Spontanen und der des Westens mit ihrer musikalischen Tradition und hochentwickelten Kultur. Wie der Frühling die in der Natur schlummernden Kräfte zu neuem Leben erweckt, so verursachte der Erfolg dieses ersten jüdischen Konzertes ein Erwachen und Aufblühen einer neuen jüdischen Musik. Eine kleine Schar jüdischer Musiker findet sich in einer Idee, in einem Streben zusammen, wird sich ihrer selbst bewußt, entsinnt sich ihrer Aufgabe und füllt von nun an ihr Werk mit ureigenster Potenz. Sie ringen um ein neues Melos, um eine neue Form, um den Rhythmus ihres Blutes. Auf dem Wege zur selbständigen Kunst, deren Aufstieg vor kurzem begonnen und erst in der Zukunft ihre Verwirklichung finden kann — ob heute oder morgen, wer weiß?... sicherlich aber übermorgen! — durfte das volkstümliche Element, die Wurzel jeder wahren Kunst, nicht vernachlässigt werden. Dies gleich erkannt und den ersten Impuls dazu gegeben zu haben, ist das dauernde Verdienst Joel Engels. Mit großem Eifer begann er nach neuem Material zu forschen, die verstreuten, fast unbekannten Lieder und Tänze zu sammeln, zu ordnen und zu bearbeiten. Ein glühender Apostel, versuchte er mit aller Kraft des Geistes und Herzens die, sein ganzes Sein erfüllende, Idee durchzusetzen. In allen großen Städten Rußlands veranstaltet er Konzerle und Vorträge über jüdische Musik. Auf seine Initiative wird 1908 die „Gesellschaft für jüdisch e M u s i k" gegründet, die alle jungen jüdischen Talente vereinigte. (Achron, Gnessin, Milner, Ssaminsky, Krein, Rosowsky usw.) Zugleich mit dem Erfolge und der steigenden Anerkennung wächst auch die Produktivität Engels. Die in zahlreichen Heften vorliegenden Bearbeitungen der jüdischen Volkslieder zeigen uns seine Begabung und Fähigkeil, den Liedern eine überzeugende Form zu geben, das rein Volkstümliche zur künstlerischen Sentenz zu erheben und neue Werte zu schaffen. Unter seinen eigenen Tonschöpfungen stehen im Mittelpunkte die zahlreichen, von fein lyrischem Empfinden getragenen Lieder zu jiddischen und hebräischen Texten von Perez, Bjalik, Tschernichowsky