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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. Seite 264

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Die Kabara
Date
1927-04-01
Page
Seite 264 (sequence 4)
Language
German
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264 MENORAH Flächen, das Kanalnetz wurde dichter, wir konnten schon mit Muldbrett und ,,ditcher" und den Maultieren arbeiten, es erschienen auf eigens für sie angelegten Wegen die Dampf pflüge, der alte römische Aquädukt ist zu einem Bewässerungskanal geworden, und bald wird der Nahr Zerka, der ein paar tausend Dunnam versumpft hatte, auf denselben paar tausend Dunnam Gemüse, Futter und Obst bewässern. Vorderhand aber haben wir Anrainer in Benyamina zum erstenmal auf der Kabara Getreide versäl, teils um den Boden auszuprobieren, teils um ihn in Kultur zu bringen. Es wurde ein bißchen knapp mit der Zeit, wir standen vor dem Regen und hatten Angst, nach dem Regen auf dem nassen Boden nichts mehr machen zu können. Als die Vermessung und Auslosung beendet war, zogen wir also eines Morgens noch im Dunkel mit vierzig Gespannen hinaus. Den ganzen Tag über hingen die schweren Regenwolken über uns und trieben zur Eile. Am Abend, als die ersten Tropfen fielen, waren wir fertig. Wir hatten zwar lahme Arme, aber die Wolkenbrüche der Nacht und der folgenden Tage ließen uns kalt. Heute steht das Getreide wunderschön. Wir fürchteten uns nur vor Lager, denn der Boden ist zu stickstoffreich. Rußland vor fünfundzwanzig Jahren. In die engen, dunkeln Ghettogassen fällt der erste Lichtstrahl einer beginnenden Renaissance. Neue Kräfte regen sich. Der jahrhundertelang schlummernde Wille zur Entfaltung des eigenen Wesens, einer eigenen Kultur ist erwacht. Eine neue Literatur, eine neue Kunst ist im Werden. Auch die jüdische Volksmusik soll der Vergessenheit entrissen, ihrer wahren Bestimmung zugeführt werden. Engel, damals ein sehr bekannter und angesehener Musikkritiker der demokratischen Moskauer Zeitung „Rtisskija Wjedomosti", beginnt sich intensiv mit den jüdischen Volksliedern zu befassen. Denkwürdig ist der Tag im Jahre 1900, als Engel seinen ersten Vortrag über jüdische Volksmusik in der „Kaiserlich ethnographischen Gesellschaft'4 hielt und zum erstenmal eine Anzahl der von ihm bereits bearbeiteten jüdischen Volkslieder vor die Öffentlichkeit brachte. Der Eindruck war überwältigend. Von Lied zu Lied steigerte sich der En- Von Joachim Stutscheivsky

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