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Menorah · 1927-04-01 · Heft 4 (April 1927) · p. Seite 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 4 (April 1927)
Article
Das jiddische Theater in New York
Date
1927-04-01
Page
Seite 250 (sequence 6)
Language
German
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250 MENORAH nach Amerika, wo er fast zugrunde gegangen wäre. Schließlich gah er in New York eine russische Zeitung heraus, in der er neben literarischen Skizzen heftige Angriffe auf die russische Regierung brachte. Ein jüdisches Theater hatte er bis zum Zusammentreffen mit Adler nie besucht, sein erstes jüdisches Drama „Sibirien" ganz aus seinem Geiste geschöpft. Das Erstlingsstück, das die Bahnen des russischen Realismus einschlug, hatte einen Riesenerfolg, und Jakob Gordin hat in diesem Genre weiterhin etwa 50 Stücke geschrieben. Die erste Darstellerin Gordinscher Rollen war Frau Liptzen, im Ghetto „die jüdische Duse" genannt. Die weiblichen Hauptrollen in Stücken Gordins waren zumeist auf sie zugeschnitten. Sie hatte im Alter von 18 Jahren in ihrer Heimatstadt Schitomir in Südrußland Abraham Goldfaden und Adler spielen gesehen und eine solche Leidenschaft für die Bühne gefaßt, daß sie aus dem Elternhaus entfloh, um sich dem Theater zu widmen. Drei Jahre lang wirkte sie in jüdischen Operetten in Rußland, 1883 ging sie nach Berlin, wo sie sich nur unter großen Entbehrungen durchschlug. Noch später erzählte sie Wunder, wie billig es sich in Deutschland leben läßt. Um dieselbe Zeit führte Adler in London mit seiner Truppe eine kummeiiose Existenz. Er schrieb um Frau Liptzen, die 1886 nach London kam und dort drei Jahre in Adlers Ensemble wirkte. Als das jüdische Theater in London niedergebrannt war, ging sie mit Adler nach Chicago, später in ein jüdisches Theater in New York, wo sie erste Rollen spielte. In Frau Liptzen fand Adler die beste Interpretin und Mitstreiterin für seine Idee eines jüdischen Dramas, frei von den oft geschmacklosen Einschiebseln, die in derben Spässen und Gassenhauern dem Geschmack des Galeriepublikums entgegenkommen. Als er im Jahre 1893 im Windsor-Theater den Gordinschen Realismus einzuführen versuchte, streikten seine Schauspieler. Adler ging nach Rußland, um eine andere Truppe anzuwerben, die ihm gefügiger wäre. Aber schon beim Lesen der Rollen zu dem Stück ,,Ein jüdischer König Lear" protestierten auch die neugeworbenen Künstler. Erst nach langem Zureden ließen sie sich zu dem Versuch herbei — mit durchschlagendem Erfolg. 1894 ging Adler einen Schritt weiter; er trachtete ein kleineres Theater zu erwerben, wo er ausschließlich nur Stücke seines Geschmackes geben wollte. Doch gar bald mußten er und Gordin einlenken. Ohne jede Konzession an den hergebrachten Stil ging es nicht. Adlers Gastspiele in Chicago, Philadelphia, San Franzisco machten ihn zu einem der Lieblinge des ganzen amerikanischen Judentums. Als er 1906 auf der Jiddischbühne in London gastierte, wollte

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