Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 3 (März 1927)
- Article
- Das jiddische Theater in New York
- Date
- 1927-03-01
- Page
- Seite 186 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 2× ep/1000834
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186 MENORAH Kurze Zeit darauf wurde er Chordirigen*. in der Oper, wo in ihm der Wunsch erwachte, zum Theater zu gehen. Allein man verweigerte ihm, dem Juden, den Zutritt zur Bühne. Als nun Goldfaden mit seinem Plan an ihn herantrat, hatte er den Wunsch, doch zunächst auf einer nichtjüdischen Bühne aufzutreten, noch nicht ganz aufgegeben. Erst, als sich Goldfaden erbot, ihn zu adoptieren und ihn fremde Sprachen lernen zu lassen, willigte Mogulesco ein. Er wurde so der erste Jargonschauspieler. Seinem Beispiele folgend, traten noch einige Sänger aus dem Bukarester Synagogenchor in Goldfadens Truppe ein. Die ersten Theaterstücke (Singspiele), die Goldfaden verfaßt und aufgeführt hat, waren: „Die Bobe mit'n Einikl", „Der Podratschik" (eine Parodie auf den jüdischen Philister), „Mume Sossie", ,,Die Intrigue", „Schmendrik", ,,Die stumme Kalle" und andere. Die zahlreich in der Stadt anwesenden jüdischen Lieferanten aus Rußland drängten sich ins Theater, wo man vor allem Mogulesco mit Beifall überschüttete. Goldfaden versuchte nun seine Tätigkeit auch auf Rußland auszudehnen. In Odessa faßte er festen Fuß. Eine Neuerung bedeutete das Mitwirken weiblicher Darsteller, während bis dahin, wie zur Zeit der Königin Elisabeth in England, die weiblichen Rollen in Goldfadens Theater von Männern gespielt worden waren. 1884 wurde das Jiddisch-Theater in Rußland verboten, angeblich aus politischen Rücksichten, in Wahrheit auf das Betreiben der neidischen christlichen Schauspielertruppen, und besonders infolge der Intrige eines Londoner Judenmissionärs, Dr. Benzion. Auf einer seiner Geschäftsreisen kam er 1882 nach Odessa. Er besuchte auch das jüdische Theater, hörte die Jargonstücke und faßte den Plan, das Theater den Zwecken der Missionsgesellschaft dienstbar zu machen. Er schrieb eigene Stücke in Jiddisch, für die Tendenzen der Missionsgesellschaft zugerichtet, und wandte sich an Goldfaden mit dem Ersuchen, diese Stücke öffentlich aufführen zu lassen. Als Goldfaden auf diese Zumutung nicht einging, liefen plötzlich beim Minister des Innern in Petersburg, dem berüchtigten Grafen Ignatiew, zahlreiche Denunziationen und Beschwerden ein und das Ergebnis war, daß diese Bühne „einstweilen" geschlossen wurde. Die Schauspieler waren plötzlich brotlos und wanderten zumeist nach New York aus. Die in Rußland zurückgebliebenen jüdischen Schauspieler bildeten eine Wandertruppe, bereisten die Städte und führten Stücke auf, wie es in der Ankündigung hieß, „in deutscher Sprache". 1884 kamen die ersten jüdischen Schauspieler nach New York, nicht die Truppe Goldfadens, sondern eine jüngeren Datums, mit dem