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Menorah · 1927-02-01 · Heft 2 (Februar 1927) · p. Seite 104

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
5 (1927)
Issue
Heft 2 (Februar 1927)
Article
Geburt, Hochzeit und Begräbnis in der jüdischen Kunst
Date
1927-02-01
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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104 MEN Ring, Italienisch, 16. Jahrhundert Original im Museum jüdischer Altertümer Frankfurt am Main, Israelitische Gemeinde Frankfurt am Main ten mit verzierten Buchstaben oder mit kleinen, den Text illustrierenden Bildern, die sich leicht auf Haggadah-Illustrationen zurückführen lassen. Das auffallend bescheidene Format der Bücher erklärt sich aus der Notwendigkeit für den Mohel, zur Vornahme einer Beschneidung in weit entfernte Gegenden zu reisen. Es handelt sich also um Reisegebetbücher für besondere Zwecke, die in einem gewissen Zusammenhang mit anderen ähnlichen, für Kochzeit und Todesfälle gefertigten Büchlein zu behandeln wären (18. Jahrhundert etwa). Die Feier beim Eintritt der Geschlechtsreife hat im Judentum keine künstlerischen Aufgaben gestellt, da die Feier rein geistige Form hat. In weit größerem Maße ergaben die genauen Vorschriften über die Abfassung des Ehcverlmges, der Ketubah und die Bedeutung, die in den Vorschriften den Geschenken, Siblanolh, beigelegt werden, Möglichkeilen. Die Eheverträge, die bereits im Altertum vorhanden waren, zeigen bei den Sefardim (elAva seit dem Ende des 17. Jahrhunderts) reichen Schmuck: Bandwerk, Blumen usw., Monatsbilder, Abbildungen der Tempelgeräte, Wappen und damit zusammenhängend einzelne oder mehrere Bilder, die biblische, auf den Namen bezügliche Szenen darstellen. Gerade diese zuletzt genannte Dekorationsart läßt sich mit dem viel späteren R All östlichen Grabschmuck zusammenbringen. Auf den Inhalt und die Bedeutung der Ehevorschriften einzugehen, verbietet unser Thema ebenso, wie auf die religionsgesetzlichen Gründe der Geschenke. Es mag genügen, daß neben Ketten, meist aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, vor allem Ringe übergeben wurden. Für die Ketten haben sich bisher keine typischen Merkmale gefunden, die Ringe sind jedoch durchweg ähnlich, soweit man dies bei der Ungeordnelheit des völlig verstreuten Materials überhaupt entscheiden kann. Auf einem glatten Innenreif pflegt ein mit Buckeln, Gillerwerk und Email versehener Außenreif zu sitzen, der fast ausnahmslos ein häuschenarliges Gebilde trägt. Auf diesem oder in seinem aufklappbaren Dach, zuweilen auch auf dem Innenreif findet sich der Segenswunsch: Gut Glück! eingraviert. Es kommen jedoch Abweichungen vom Schema vor, deren Bedeutung erst eine größere Arbeit klären könnte. Die Ringe scheinen zuerst im 16. Jahrhundert aufzukommen und haben ihre Form im Laufe der Zeit kaum wesentlich verändert. Das Beslaltungswesen, dem im Judentum eine besonders sorgfällige Beachtung zuteil wurde, hat auch eine Averlvolle Grabmalsknnsl gezeitigt; das wichtigste Material darüber findet sich im Notizblatt 15 der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler zusammengestellt. In den Mitteilungen derselben Gesellschaft findet sich auch reiches Material zu allen anderen hier angeschnittenen Fragen. Für unseren letzten Abschnitt dieser Betrachtung kämen vor allem die Innungsbecher der Beerdigungsbruderschaften und die oben schon genannten Gebetbücher für die besonderen Feierlage der Bruderschaft, für die letzten Gebete mit den Sterbenden und die auf dem Friedhof und an Gräbern zu verrichtenden Andachten in Betracht. Die eifrige Erforschung jüdischer Kunst wird sicher noch viel Wertvolles auf diesem, wie auch auf allen anderen Gebieten zur Kenntnis der Allgemeinheit bringen, wenn die Möglichkeiten dafür gegeben sein werden.

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