Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- Kunstaffären
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912866-2912868-2918873--04306-2919000- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
72 MENORA II Doch unsere Aktion hat wenigstens nachträgticli gewirkt. Denn als es jetzt um ein Kriegerdenkmal auf demselben Friedhofe ging, hat man die famose Klausel bezüglich des besten Entwurfes fallen lassen und überdies einem Architekten von Rang die Leitung der Jury übergeben. Trotzdem hat die Ausschreibung keinen wesentlich anderen Erfolg gehabt: auch diesmal haben unsere stärksten Begabungen nicht mitgemacht. Und das wird keinen Eingeweihten wundernehmen. Denn durch den Beitritt eines ernsten Künstlers — einer unter neun ■— hat sich an dem alten Geist der Kommission nichts geändert. Die freien jüdischen Künstler von Wien wissen sehr wohl, mit wem sie es zu tun haben. Seit allzulanger Zeit beherrschen — die prächtigen, aber kunstfremden Parteienvertreter mögen unangetastet bleiben — drei Bautechniker den Plan. Sie sind — die künstlerische Situation im Wirkungskreis unserer Gemeinde zeigt es — Verteidiger des konservativen Mittelmaßes, sind geschworene Gegner des starken talentvollen Fortschrittes. Und dürfen in der ersten modernen Judengemeinde Europas ungehindert schalten. Solange dieses rückständige Regime andauert, solange die Gemeinde ihre kulturelle Pflicht gegenüber der modernen jüdischen Kunst außer acht läßt und nicht wenigstens einen modernen jüdischen Künstler von Bedeutung in ihre Kommission beruft, werden auch in Zukunft alle Kräfte, auf die wir besonders stolz sind, ihren Unternehmungen fernbleiben. Aber sie werden diesen Zustand nicht weiter untätig zusehen. Es geht auf die Dauer nicht an, daß eine namhafte, die beste Gruppe schöpferischer Begabungen an der Ausübung ihres guten Rechtes behindert wird. Die freie jüdische Künstlerschaft wird jetzt ihre Sache selbst in die Hand nehmen — gegen jede Reaktion, in der näheren und in der fernen Heimal. Anmerkung: Die Abbildungen, welche unseren Aufsatz begleiten, geben Bauwerke des unlängst jung verstorbenen jüdischen Baumeisters M. de Kl erk wieder, der — als Führer der neuholländischen Schule— für den monumentalen Charakter der modernen Stadtteile von Amsterdam das Meiste geleistet hat.