Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- Der Keller
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DER KELLER 41 dem Namen „Diamant" (mit so einem prachtvollen Namen!) oder in einen ganz runzligen, wie zum Beispiel Jankelewitsch oder auch Bauch, Bauch, Bauch, und nichts als Lachen! Irgendwo auf der Erde mußte sich doch sein einfacher und stolzer Name finden, so wie er wirklich lauten soll, wie er ihm nach altertümlich jüdischen Gesetzen gebührte, unter dem Himmel, der sein war, von Rechts wegen, ein Name, etwa wie: David Ben Simon ... Ihrer drei waren sie aus dem Viehwagen gekrochen, nachdem sie über die Schultern und Köpfe all der fremden Leute hinweggestiegen waren, die den Waggon füllten. Und zu dritt blieben sie auf dem Perron einer winzigen ungepflasterten Station zurück. Zunächst gingen sie auseinander — der eine bog nach links, der zweite ging geradeaus, der dritte aber trippelte schlau dahin, als wollte er mit den Dingen, die er im Sack auf dem Rücken schleppte, ins Dorf eilen, um Tauschhandel zu treiben. Dann aber trafen sie sich alle drei wieder in dem Hause des Kornjeij Powidla, das abseits und in einiger Entfernung von den anderen, gedrängt stehenden Häusern lag. Die Wohnung Kornjeijs erweckte den Anschein, als müßten dort alle Leute der Gegend ein- und ausgehen: dort war die Schmuggelzentrale. Wen und wie viel man über die rumänische Grenze bringen kann? . .. Aufs andere Ufer des Flusses? Dort war ein Keller, in welchem sich die Flüchtlinge auf ein gegebenes Zeichen versteckten. Dort saßen sie wie angewurzelt, bis schließlich die Frau Kornjeijs mit einem Besen auf dem Boden klopfte, und Kornjeij seine „Maut" einhob, eine bekannte, von vornherein fixierte Summe für Fluchtvermittlung. In nächster Nähe aber ist der Wald — und seine verworrenen Wege führen zum anderen Ufer: zum neuen Leben! Nachts mußten sie sich in den Keller zurückziehen. Bauch tastete die längste Zeit mit seinem Fuß die erste Stufe ab, der Oberleutnant schrie ihn an und gab ihm einen Stoß: „So krieche doch schon endlich hinunter!" Im Keller war es stockfinster. Sinjeljuk sagte laut und gereizt: „Nirgends kann man von den Juden loskommen!", wandte sich nach der anderen Seite und schlug mit dem Kopf gegen die Wand. „Ach! ... überall kriechen sie herum .. ." Der Rechtsanwalt flüsterte aus der anderen Ecke: „Lassen Sie das doch, mein Lieber! Genug der nationalen Zwistigkeiten! In so einem Augenblick sollte man höher stehen. .. Im Keller, bedenken Sie nur.. .", und in seinem Inneren beschloß er, seinen ersten Vortrag in Paris ,Der Keller* zu nennen und von dem riesigen Keller