Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- Selbstbiographie
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 2)
- Language
- German
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4 MENORAH eines Malers von heule, seine Atmung, seine Bedürfnisse, seine Werke auch. Verglichen mil einem Breughel, einem Rembrandl, halte ich Cezanne für einen kleinen Maler, aber für unsere Zeit ist er der größte. Ich will eine K u nst d e r E r d e und niclit bloß eine Kunst des Kopfes. . . . Während der ersten Jahre der Bolschewikcnherrschafl war ich Direktor einer Akademie. Ich halte in meiner Schule Handwerker zugelassen: Ansireicher zum Beispiel, die das Gewerbe des Malers besser kannten als ich. In kommunalen Werkstätten arbeitete man laut Auftrag und in freiem Wettbewerb. Man versuchte, die Kunst ins Leben zu über- 1 ragen, das Leben zu verschönern; man bemalte Häuser, Tramways, Eisenbahnwaggons. Dann, nach und nach, kamen die alten Professoren wieder, die Neuerer mußten ihre Schüler verlassen. Die proletarische Kunst hat nichts gegeben. Man hat einfach einigen Menschen das Herz gebrochen. Man wollte schaffen, man wollte bauen, aber zu jener Zeil mangelte es an Material, das einfachste Grundmaterial fehlte. Man sprach, man schrie, man hat sehr wenig verwirklicht. Es gibt in meiner Komposition weder Phantastisches noch Symbolisches. Ich habe für Wahnsinn nichts übrig. Ich mache vertrauensvoll und ohne jede Lust zu Exzessen das für die Konslruküon meines Bildes Erforderliche, indem ich in eine Leere einen Körper oder — je nach meiner Laune — einen Gegenstand stelle. Ich habe Vertrauen. Ich arbeile geduldig. Der religiöse Geist ist innerlich. Er ist es, der das Herz der Menschen und Kirchen aushöhlt. SIMON MONDZAIN Der Maler Simon M o n d z a i n stammt aus Iwangorod oder aus Chelm, wahrscheinlicher noch aus irgend einem Dorf Wolhyniens -— er selbst kennt seinen Geburtsort ebensowenig wie seinen Geburtstag oder sein Geburtsjahr. Er wollte von frühester Jugend an Maler werden, seine Eltern aber machten einen Schneider aus ihm, bis er eines Tages nach Warschau entfloh. Außer dem, was er auf dem Leibe trug, besaß er nichts als ein Hemd und 40 Kopeken. Er arbeitete am Tage und malle, todmüde und erschöpf!, in der hellen russischen Nacht, beim Schein einer Laterne. Bis ein Russe auf ihn aufmerksam wurde und den jungen Juden nach Krakau auf die Akademie schickte. Ein anderer verschaffte ihm dort ein Jahresstipendium von 500 Kronen, mit dem Mondzain nach Paris fuhr. Delacroix. und Grenze kopierte er zuerst um schließlich seine eigenen Bilder zu malen. 1<)23 stellte er bei Bernheim k »llekliv aus Den Krieg halle er in den Reib, der Fremdenlegion mi Igem acht. Das Charakteristischeste an seinen Bildern ist die Melancholie, die aus den Augen seiner Modelle leuchtet. Das hat er mit dem anderen großen jüdischen Maler der Moderne, dem Krakauer Moses K i s 1 i n g. gemeinsam. Ein Fiseherknabe. den Mondzain malt, sieht jüdisch aus, hat die schwermütigen Augen des Golus- und Ghetlomenschen. Das ist das Wesentliche an Mondzain — seine Ausdrucksmillel, seine Technik sind westlich, sind völlig assimiliert, nirgends mehr primitiv, aber der seelische Gehalt der Bilder bleib! jüdisch, bleibt: wie von der Erinnerung an die Kindheit im Ghetto diktiert. Josef Kalmer. ISSACHAR RYBACk Das Schallen des Künstlers, der vor längerer Zeil in diesen Blättern gewürdigt wurde (siehe Heft 6, IL Jahrgang „Menorah"), hat durch einen längeren Aufenthalt in Rußland und eifrige Studien in den jüdischen Siedlungsgebieten starke Anregung erfahren. Die Ergebnisse seiner Arbeit liegen in einer vor kurzem im Verlage A. Simon & Cie., Paris, erschienenen Mappe Radierungen: „V o n d e n j ü d i s c h e n K o 1 o n i e n i n d e r Fkraine" vor, der unsere Reproduktionen auf Seite 27—28 entnommen sind.