Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 5 (1927)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1927)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 2)
- Language
- German
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UMSCHAU o o Jahre 1926 von 31.140 jüdischen Durchwandere rn in Anspruch genommen. — In Warschau wurde ein jüdisches Akademikerheim für 300 Studenten cröfl'nel. — In Gleiwilz wurde ein jüdisches Allersheim eingeweiht. JÜDISCHE LEHRE UND LEHRER Die religiösen jüdischen Organisationen in L. S. A. haben einen gemeinsamen permanenten Synagogenrat gebildet, in dem orthodoxe, konservative und Rcformgcmeindcn vertreten sind. — Das Rabbinat für die Maranneu in Portugal übernahm ein Lodzer Rabbiner. — Die orthodoxen Rabbiner in Rußland haben einen heftigen Kampf gegen die Sowjelschulen begonnen. — In Amsterdam wird in der Bibliothek des Sephardischcn Rabbinerseminars eine jüdische Buchausslcllung arrangiert werden. — Prof. Elia Artoni wurde zum Hauplrabbiner von Florenz gewählt. — In Palästina wurde für die jüdischen Geschäfte die Sabbatruhe durch behördliche Verfügung genehmigt. WISSENSCHAFT UND KUNST In New York starb der Professor der Ägyptiologie Prof. Getzel. — Der Historiker der Züricher technischen Hochschule, Prof. Alfred Stern, feiert seinen 80. Geburtstag. — Ein neues Werk des erfolgreichen Dramatikers Emil Bernhard (Rabb. Dr. Emil Cohn) ist vor kurzem auf mehreren deutschen Bühnen aufgeführt worden. — In einem Vortrage über jüdische Bildhauer berichtete Dr. Karl Schwarz (Berlin) über Nachrichten aus dem Jahre 1214, wo ein jüdischer Bildhauer eine Porträtbüste des heil. Franz von Assisi angefertigt hat. — Der Wiener Maler Josef Floch erzielte bei einer Ausstellung seiner letzten Arbeiten in Paris großen Erfolg. — In Berlin starb Siegfried Jacobsohn, Herausgeber der „Weltbühne". — In Berlin fand die Jahresversammlung der Soncino- Gesehschaft statt. — Der Lyriker und Kunstkritiker Adolf Donath wurde 50 Jahre alt. — Der Pressechef der preußischen Staatsregierung, Oberregierungsrat Goslar, wurde zum Ministerialrat ernannt. AUF DEM HÜGEL Wir beginnen in der nächst erscheinenden (Februar)-Nummer mit der Veröffentlichung einer Novelle des talentierten jiddischen Schriftstellers J. M. F u c h s, in der Übertragung von Isaac S c h re y c r. In die Welt des Alltags einer um die primitivste Existenz hart kämpfenden bäuerisch-jüdischen Bevölkerimg des Ostens führt uns die realistische Schilderung. Landschaft und Menschen gewinnen Leben. Ohne Sentimentalität, rücksichtslos, kraß und dennoch liehevoll läßt der Dichter eine Welt vor uns erstehen; denn wenn es auch nur „auf dem Hügel" scheint, es ist eine Welt für sich, die bisher noch nicht so kraftvoll und von Leben erfüllt geformt wurde. Die Novelle, die zum erstenmal in deutscher Übertragung vorliegt, wird allseiligem Interesse begegnen. Von unseren Künstlern: SELBSTBIOGRAPHIE Von Marc C h a g a 11 Ich bin fünfunddreißig Jahre alt. Ich bin in Witebsk geboren, aber auch in Paris. Meine Ellern waren Bauern. Nichts hasse ich so sehr wie den Intellektualismus. Gegen von außen kommende Kundgebungen, Salons, Ausstellungen verhalte ich mich gleichgültig. Ich arbeite in meinem Winkel; es ist mir wenig wichtig, auf welche Weise meine Werke betrachtet oder beurteilt werden, aber ich schätze die Meinung einiger Freunde. Ich habe kein Thema a priori. Vor dem Krieg von 1914 haben wir ein plastisches Ideal gesucht, eine S u m m e plastischer Probleme. Der Krieg schuf ein anderes plastisches Werk, von dem wir vollkommen absorbiert wurden und das die Forme n wieder erschuf, die Linien zerstörte und dem AU ein neues Aussehen gab. Ich habe mich bis jetzt schon zwei- oder dreimal gehäutet. Ich schaffe 1926, das Leben eines Menschen sozusagen, das