Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · p. Seite 704

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Article
Die Altneuschul von Nikolsburg
Date
1926-12-01
Page
Seite 704 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2912821-2912853-2912865-2918675--04118-2918789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

704 MENORAH R. Schcmuel Schmelkc Horowitz (Hurwitz) und R. Mord'chai Benct (M. Benedikt), der den Ruhm der Gemeinde in alle Lande getragen hat. Spuren des verflossenen Glanzes einer berühmten Vergangenheit und des regen jüdischen Lebens sind in Mähren noch zahlreich zu finden, aber eines der prächtigsten Dokumente ist die „Altneusehul" in Nikolsburg, eine der schönsten alten Synagogen Mährens. Ein mächtiger Kuppelbau im maurischen Stile, von vier Marmorsäulen mit reichverziertem Kapital getragen, die in der Mitle des Raumes angeordnet sind. Die Decke ist mit ornamentalen Stukkaturen geschmückt, deren Motive dem österreichischen Barock entnommen sind. Der Almenor war ursprünglich unterhalb der vier Tragsäulen angeordnet und ist später an die Ostwand verlegt worden, wo sich nunmehr der mit höchstem Prunk im Stile des Barock errichtete Aron hakaudesch erhebt. Eine Reihe von Inschriften erzählt von der Erbauung des Gotteshauses; nach ihren Angaben wäre die Altneuschul im Jahre 531Ö, das ist 1570, errichtet worden. nSl? T; Dt>> nmb mn TittHpm Der Bau dürfte jedoch um vieles älter und damals (1570) nur renoviert worden sein. Einer anderen Inschrift •nnftn iXJli mm pnöS t:>\Y TO XV &m p"zh yöD TV2f) entnehmen wir, daß die Synagoge dem furchtbaren Brande im Nikolsburger Ghetto am 28. Ab 5479 (August 1719) zum Opfer gefallen sein muß. Denn im Juli 1723, also vier Jahre später, erfolgte die Einweihung des renovierten Gotteshauses. Damals dürfte der Bau den barocken Einschlag, den er in der heutigen Gestalt aufweist, erhalten haben. Feuersbrünste waren ja im Nikolsburger Ghetto, wo die mit Holzschindeln gedeckten Häuser sich eng aneinanderdrängten. keine Seltenheit. Noch in den jüngsten Jahren, 1924 und 1926, wüteten verheerende Brände in der Judenstadt von Nikolsburg. Wenige Schritte von der Altneuschul, noch im Weichbilde des Städtchens, liegt der jüdische Friedhof. Die Grabinschriften sind in vielen Publikationen, insbesondere durch Dr. David Feuchtwang (Wien), selbst ein Nikolsburger Kind, Sohn R. Meir Feuchtwangs, besprochen worden. Die Daten gehen bis an den Anfang des 17. Jahrhunderts zurück. Zwei Märtyrer ruhen auf diesem Gottesacker: Eljakum ben Jizchok hadokausch, gestorben 1718, und Rabbi Schelomeh hakodausch (ohne Todesjahr). Die beigegebene Abbildung möge ein Bild von der Weite des Gräberfeldes inmitten der hügeligen Landschaft geben. Fruchtbare Getreidefelder und sonniges Weingelände hüllen Jahr um Jahr diesen ,,Ort des Lebens" in ihre milde Süße, als ob die Natur selbst zeugen wollte, daß es kein ewiges Vergehen gibt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.