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Menorah · 1926-12-01 · Heft 12 (Dezember 1926) · p. [Seite]

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Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 12 (Dezember 1926)
Article
Warnung an die jüdische Geistigkeit
Date
1926-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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WARNUNG AN DIE JÜDISCHE GEISTIGKEIT Von Siegfried Schmitz Der Jude Saul, der zum Paulus ward, hat das unmöglich scheinende Werk vollbracht, Rom, der Well von damals, die Lehre des jüdischen Mannes aus Galiläa aufzuzwingen, der sich gegen Rom, gegen die Well Rom erhoben halte. Das war eine Eroberung, wie sie seil Alexander nicht geschehen. Sie bildet die tragische Größe dieses Juden Said, der zum Paulus wurde, ist das 1 ragische Verhängnis, das jener vom Galiläer Gejagte über die Welt und über sein Volk gebracht; denn Rom (die Welt, die damals Rom hieß und heute Europa heißt) hat bis heute diese erobernde Macht, deren Siegel sie trägt, nicht anerkannt, sich ihr nicht gefügt und sie nicht verziehen (sich in dumpfem Instinkt immer wieder gegen die gewendet, aus deren Stamm der kam, der die Religion menschlicher GeAvaltlosigkeit zur Machtreligion umgeformt hat). Diese Tragödie des Saul, der zum Paulus ward, wird seit fast zwei Jahrtausenden gelebt; ein Theaterstoff ist sie nicht. Betriebsamer Franz Wer fei hat sie fürs Theater zurechtgemacht; das Produkt heißt dramatische Legende in sechs Bildern und führt den Titel „Paulus unter den Juden". Paulus kommt zu den Juden, nachdem er auf seinem Weg nach Damaskus den Galiläer erkannt, den er geleugnet, und bringt ihn seinem Volk; da dieses das Geschenk nicht annimmt, wird Paulus zum „Wellfreund". Es ist weiß Gott eine armselig papierene Problematik, die da entwickelt wird und sie hat mit dem Wesen des Saul von Tarsus, mit dem, was er wirkte und womit er bis heute (einer Welt zum Verhängnis) nachwirkt, nicht das mindeste zu tun. Aber das ist nicht wesentlich. Ob ein Franz Werfel Menschen aus der Gegenwart oder aus der Wellwende vor zweilausend Jahren äslhetisch aufgemutzte Reden führen läßt, ist einerlei: Das gehört zum Betrieb der Literatur. Was aber nachdrücklichst abgelehnt werden soll, ist ein anderes, worauf die betriebsame Schriflslellerci, die heute Werfel und morgen anders heißt, spekuliert: Überschwang unkritischer Meinungen, die sich von nebelhaften Kulturidealen leiten lassen, wird hier wieder einmal ein jüdisches Werk begrüßen, das ein jüdisches Problem löse. Da liegt die Gefahr und vor ihr ist zu warnen. Dieser „Paulus unter den Juden" hat nichts mit jüdischem Wesen zu tun, nichts mit den Grundlagen jüdischen Wesens gemein. Es ist Kaffeehausgeplauder, in farbiges Kostüm gesteckt und szenisch recht geschickt aufgemacht. Paulus ist das übliche „verkannte Genie", sein Gegenspieler Rabbi Gamaliel ein Literaturmäzen, das Rom, das der Landpfleger Marullus repräsentieren soll, eine österreichische Amtsdienervisage und das Jerusalem der Zeloten, der Epikuräer usw. ist aus der Perspektive etwa des Sportklubs „Makkabi" und der Verbindung „Fidelitas" gesehen. Der Sinn ist durch Gesinnungen ersetzt und das Problem einer Welteroberung erschöpft sich im Gerede über schalen Kosmopolitismus. Nochmals — die ganze Angelegenheit ist klein und schal; man lasse sich nicht einfallen, sie zu einer jüdischen Sache zu machen. Dazu ist das Judentum sich denn doch zu gut, wäre zu meinen. Die „jüdische Geistigkeit" ist gewarnt; sie hat sich schon mit dem „Jeremias" und ähnlichen Dingen einigermaßen bloßgestellt, ein Werfel aber wäre zu arge Blamage.

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