Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 11 (November 1926)
- Article
- Die Schrift. ... [Rezension]
- Date
- 1926-11-01
- Page
- Seite 654 (sequence 1)
- Language
- German
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654 MENORAH BIBLIOGRAPHIE DIE SCHRIFT. I. Das Buch „Im Anfang", verdeutscht von Martin Bube r, gemeinsam mit Franz Rosenzweig, Berlin, Verlag Lambert Schneider. Vor uns liegt das erste Buch Mose dieser neuen Bibelübersetzung, ein Werk von Buber und Rosenzweig, an deren Arbeit man mit den höchst gespannten Erwartungen herantritt. Im freien Rhythmus wird die Bihel in ihrer Poesie „verdeutscht''. Wer da weiß, welche außergewöhnlichen Schwierigkeilen bei einer Ühersetzung zu überwinden, welche Studien zur sinn- und stilgemäßen Ubersetzung oft nur eines Wortes erforderlich sind, wird die außerordentliche Arbeit der beiden Künstler bewundern. Philologisch genau halten sie sich an den Text und lösen dabei anscheinend spielend manche Schwierigkeiten, z. B. 18—21. Die Übersetzung soll ein Spiegel des ursprünglichen Textes und zugleich eine Neuschöpfung sein. Diese schufen Buber und Rosenzweig adäquat, der ursprünglichen Form in Kraft und Wuchtigkeit der bildlichen Sprache sich nähernd. Die prägnanten Ausdrücke, die Wortspiele und Stabreime des Hebräischen geben sie in gleicher Art und Fassung. Härten und ungewöhnliche Formen bleiben auch manchmal nicht aus, z. B. „fruchtete", „gaslete", pflöckte", „schwank und schweifend" statt des üblichen unstet und flüchtig, nur um den hebräischen Stabreim wiederzugeben. Wenig glücklich ist auch die Übertragung „Braus G'ttes brütend allüber den Wassern" an Stelle des allgemein gebräuchlichen „und der Geist G'ttes schwebte über den Wassern". Es ist hier nicht der Ort, auf Einzelheiten näher einzugehen. Die "Übersetzer hielten sich meist an den massorelischen Text bis auf den Satz 2, 4, den sie teilten. Es ist eine eigenartige, überaus werlvolle, oft meisterhafte Übertragung, durch die der Hauch der Bibel weht. Ausstattung, Papier und Druck verdienen höchste Anerkennung. Dr. Salomon, Bayreuth. WALTER EIDLITZ: „DIE GEWALTIGEN." NOVELLEN AUS DREI JAHRTAUSENDEN. (Paul Zsolnay Verlag, Wien 1926.) Walter Eidlitz wächst in seinem letzten Buche ins sehr Weile. „Der Griechen Lustsinn und der Gotlgedanke Judäas" — diese beiden diametralen Pole menschlichen Seins, sie sind die beiden Wurzeln des aufstrebenden Baumes seiner Dichtung. Es scheint ja geradezu die Bestimmung des Dichters jüdischen Blutes in westlicher Kultur, Morgen- und Abendland in sich selbst zu vereinen. Walter Eidlitz wurzelt tief in hellenischem Schönheilserleben, sein „Goldener Wind" trug uns den Duft morgendlicher Blüte nbäume und beseelter Reigentänze schöner Jugend zu. Bange, ins Tiefe horchend, seine Novellen, sein Roman. Ernstes Ringen um Gott, um den fordernden Gott Israels in seinem „Berg in der Wüste". Und so stoßen hier, in diesem reifsten Buche, das sein gleichsam in Jahresringen wachsendes Talent uns geschenkt, Morgen- und Abendland hart aneinander: Das Ringen um Gott und das Ringen um die Form, um Ewigkeit und Persönlichkeit — es ist Problem nicht nur des seiner Sendung bewußt werdenden Zehenschöpfers Alexander, der als erster Orlen* und Okzident zu einer einzigen Kulturwelt verschmolzen, es ist Problem auch des gleichsam in seiner Macht erstarrten Königs David, der in sein begehrendes Ich gekerkert, Gott verlassen hat, um ihn qualvoll wieder zu linden; es ist der Weg des noch im Tode gewaltigen roten Schreckenherrschers von Moskau, Feindes der Kirche, dessen Leib nach dem Glauben des Volkes zu heiliger russischer Erde zerfallen ist. Große und kühne Visionen sind in durchglühter und beseelter Sprache gestaltet. Ein Buch, das über den Tag hinaus ragt und in das man wie in eine jener wunderbar geformten purpurn oder perhnutterfarben schillernden Meeresmuscheln hineinhorchen möchte, um immer reicher und immer abgründiger den Gesang unerschlossener Tiefe daraus zu vernehmen. Dr. Martha Hofman n, Wien.