Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Inhalt
- Article
- Schnorrer
- Date
- 1926-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Nach einer Radierung von Lionel S. Reiß (New York) ,Der Wanderer* SCHNORRER Nadi Angaben von M. A. (1898) Von Dr. M. Grunwald In meinem westpreußischen Heimatstädtchen, dicht an der preußischpolnischen Grenze, erschienen fast täglich die sogenannten polnischen Schnorrer. Sie zerfielen in mehrere Kategorien. Da waren zunächst die Professionsschnorrer. Sie kamen in Trupps von fünf bis zehn Personen, Männer, Frauen, Kinder, auch Säuglinge. Sie gingen in jedes Haus, an dem eine Mesusa zu sehen war, und holten sich ihre Gabe, die nie mehr als zwei Pfennige betrug. Dann kamen die sogenannten ,,verschämten“. Der eine hatte „a Tochter auszugeben“, ein anderer „a Sihn von de Seiner (Soldaten) loszukaufen“, einem dritten war die Habe verbrannt oder gestohlen worden, dem vierten hatte man sein ganzes Gut beim Schmuggel konfisziert usw. Obwohl diese Leute schon seit 20 Jahren mit derselben Vorspiegelung kamen und man wohl wußte, daß sie nicht Jahr für Jahr hintereinander 20 Töchter zu verheiraten oder 20 Söhne loszukaufen hatten, erhielten sie doch ihre „Nedowe“. Ja, sie wurden zum Teil recht gern