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Menorah · 1926-10-01 · Inhalt · p. Seite 563

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Inhalt
Article
Der böse Blick
Date
1926-10-01
Page
Seite 563 (sequence 13)
Language
German
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DER BÖSE BLICK 563 Berufenen stammten. Wenn nun diese Knoten oder Schnüre als von Berufenen verfertigte Amulette benützt wurden, so durften sie die Frauen auch am Sabbat tragen77). Allgemein schmückte man Kinder mit Korallen um den Hals zum Schutz gegen den bösen Blick78). Wer sich an einem Ort befindet, an dem man dem bösen Blick ausgesetzt ist, lege den rechten Daumen in die linke Hand, den linken in die rechte und sage: „Ich, N. N., stamme von Josef ab, gegen den der böse Blick machtlos ist." Fürchtet man aber, daß man mit dem Blicke einem anderen schaden könnte, so blicke man dem Betreffenden auf die linke Seite der Nase79). Wer sich vor dem Blick eines anderen fürchtet, der schreibe auf die rechte Handfläche ein Jod, auf die linke ein Zajin, öffne beide Hände vor dem Gefürchteten und lese das Jod umgekehrt80). Als erprobtes Mittel wird auch empfohlen, aus der heiligen Schrift elf Verse zu rezitieren, die mit dem Buchstaben n beginnen und enden81). In unseren Gebetbüchern sind unter den beim Ausgange des Sabbats gebräuchlichen Gebeten elf solche Verse angeführt, an die sich folgendes Gebet knüpft: ,,Herr der Welt! Beschütze Dein Volk Israel vor jedem Zauber und vor jedem bösem Blick, und wie Du Deine Fittiche über unsere Väter in der Wüste gegen den bösen Blick Bileams ausgebreitet hast, so breite sie in Deiner Barmherzigkeit auch über uns aus, damit wir durch Deinen heiligen Namen gegen jedweden bösen Blick geschützt seien." Diese Verse mit dem Gebete werden jedem warm empfohlen. Besonders aber den schwangeren Frauen bieten sie volle Sicherheit, daß ihre Kinder kein böser Blick treffen werde82). Beim Ausgange des Sabbats erhebt sich aus der Hölle „die Seite des bösen Blickes", das ist „die andere Seite", mit der Absicht, sich unter den Kindern Israels zu vermengen und das Volk zu beherrschen. Aber die Habdalah mit Myrte und Wein zwingt diese „Seite" wieder in die Tiefe zu sinken83). Auch bei der Verrichtung des Sch'ma-Gebetes ist Vorsicht geraten. Der erste Satz besteht nämlich aus sechs Worten und ebenso der nachfolgende Satz. Auch dieser sollte eigentlich mit „echad" enden, doch mit Rücksicht auf den bösen Blick wird an dessen Stelle „vaed" gelesen84). Darum soll man auch nicht zwei Brüder oder den Sohn nach dem Vater zur Thora rufen; oder zwei Brüder zusammen an einer Mahlzeit teilnehmen lassen noch zusammen trauen. Sie könnten sich den bösen Blick zuziehen. Um daher bei einem Familienfest, an dem die Angehörigen beisammen sein müssen, nicht Gefahr zu laufen, gehe man vorher auf den Friedhof und verrichte dort ein zu diesem Zwecke verfaßtes Gebet85). Man soll zu Ehren der Gäste nicht eine gefundene Decke über das Sofa breiten wegen des bösen Blickes oder weil sich unter den Gästen auch Diebe finden könnten86). Wenn man zwischen zwei Frauen, die „nidda" sind, geht, wird man vom bösen Blick an Leib und Gut getroffen. Um dem Unglück vorzubeugen, halte man eine sofort herzusagende Formel bereit, sage nachher einen Vers aus der heiligen Schrift, der mit el beginnt und endet, gehe dann weiter und blicke nicht zurück87). Wenn man jemanden wegen seiner Weisheit, seines Reichtums oder seiner Kinder rühmt, soll man ihn zugleich segnen, damit er nicht unwill-

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