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Menorah · 1926-10-01 · Inhalt · p. Seite 558

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Inhalt
Article
Der böse Blick
Date
1926-10-01
Page
Seite 558 (sequence 8)
Language
German
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558 MENORAH und ließ ihn auf einem Auge erblinden. Daher heißt es auch: er erhob sein Auge — nicht seine Augen — aber auch dieses eine war ein böses Auge40). David legte vor dem Kampfe mit Goliath die Kleider Sauls an. Als dieser sah, daß ihm die Kleider paßten, als hätte man sie für ihn zugeschnitten, warf er auf ihn einen bösen Blick. David bemerkte dies, legte die Kleider schnell mit der Bemerkung ab, er könne in dieser Gewandung nicht gehen41). Auch David schleuderte gegen Goliath den bösen Blick, und wo er ihn traf, dort wurde er sogleich aussätzig. Dasselbe tat er mit seinem Heerführer Joab, als er ihn wegen der Ermordung Abners verfluchte (2. Sam. 3, 29). Dennoch ist sein Auge mit dem Bileams nicht zu vergleichen, denn er hatte ein schönes Auge, das alle Farben spielte, aus dem Liebe strahlte, während Bileam ein böses Auge hatte, das wie eine Flamme alles verzehrte, was es anblickte. David hatte das schönste Auge der Welt, Bileam das gefährlichste42). Elimelech mußte Betlehem verlassen und in ein fremdes Land auswandern, weil er ein böses Auge hatte. Er fürchtete nämlich, es würden sich in Betlehem viele arme Leute ansammeln, unter denen er nicht wohnen wollte43). Auch Nebukadnezar hatte ein böses Auge. Er wollte es verhindern, daß sich sein Nachfolger mit seinem Gelde brüste. Er ließ es daher in ein kupfernes Schiff legen und in die Erde vergraben, dann mit Blei zudecken. Cyrus fand den Schatz, als er das Heiligtum in Jerusalem bauen wollte. Er hatte aber nicht nur seinem Nachfolger, sondern auch den armen Leuten gegenüber ein böses Auge, denn er verweigerte ihnen ein Almosen44). Die Königin Ester lud ihren Gemahl und Haman zur Mahlzeit, weil sie auf den König einen bösen Blick werfen wollte. Sie beabsichtigte, die Eifersucht des Königs gegen Haman zu erregen, damit er ihn und sie töte und sie alsdann das Unglück ihres Volkes nicht mitanzusehen brauche45). Von den nachbiblischen Personen sind es zumeist hervorragende Gelehrte, die die Kraft besaßen, mit ihrem Blicke einen plötzlichen Tod oder anderes Unheil zu verursachen. Für solche Fälle gebrauchte man allgemein die Formel: „Er richtete sein Auge auf ihn und er wurde zu einem Knochenhaufen." Es kam aber auch vor, daß infolge eines solchen Blickes der Schenkel eines Menschen oder überhaupt alles verbrannte, was vom Blicke getroffen wurde. Manchmal bewirkte der böse Blick nur einen Ohnmachtsfall. Ja, R. Simon — gemeint ist wahrscheinlich der Sohn Jochais — verursachte einst mit seinem Blicke, daß mehrere Menschen ins Meer fielen und ertranken46). Von diesem R. Simon und seinem Sohne Eleazar wird erzählt, daß sie vor dem Zorne des Kaisers Hadrian in einer Höhle Zuflucht fanden. Nach dem Tode dieses grausamen Wüterichs berichtete ihnen der Prophet Elija, die Gefahr sei vorüber. Sie gingen hinaus, waren aber mit dem religiösen Lebenswandel der Menschen derart unzufrieden, daß sie mit ihrem Blicke alles niederbrannten, was ihnen in den Weg kam. Und weiß Gott, welches Unheil sie in ihrem frommen Eifer angestiftet hätten, wenn ihnen nicht rechtzeitig eine Himmelsstimme zugerufen hätte: „Seid ihr denn herausgekommen, um meine Welt zu vernichten? Zurück in euere Höhle47!" Auch sonst wird von einem Massenmord

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