Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 9 (September 1926)
- Article
- Aus einer Handschrift [Illustration]
- Date
- 1926-09-01
- Page
- Seite 501 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- illustration document
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912862-2918156--03694-2918252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus einer Handschrift (14. Jahrhundert) Gebetbuch für die Festtage / Japanisches Palais, Dresden JAHRESPROGNOSEN Von Dr. Viktor Rur rein Im Talmud berichtet R. Isak b. Abdimai, daß die Leute im alten Palästina bei Ausgang des letzten Tages vom Hüttenfeste die Richtung der Rauchsäule, die von der Opferstätte in Jerusalem aufstieg, aufmerksam betrachteten. Nahm der Rauch eine Richtung nach Norden, so freuten sich die Armen, während die Reichen betrübt waren. Denn der Südwind, der den Rauch nordwärts trieb, verhieß ein regenreiches Jahr, in dem sich die Früchte nicht hielten und deshalb schnell und billig verkauft werden mußten. War die Richtung der Rauchsäule südwärts, waren die Armen betrübt und die Reichen froh, weil Nordwind Haltbarkeit der Frucht mit entsprechender Preissteigerung brachte. Die Richtung nach Osten machte alle froh, weil Westwind Regen in richtigem Maße und gute Fruchtbarkeit bedingt. Zeigte aber die Rauchsäule einen Weg nach Westen, so bemächtigte sich aller Betrübnis, denn der Wind von der Wüste war allem Wachstum gefährlich und der Vorbote von Not und Teuerung. Wie ehedem im alten Palästina waren immer und überall die Menschen begierig, das Schicksal des kommenden Jahres voraus zu wissen. Denn niemals haben sich die Menschen über ihre Abhängigkeit vom Wetter getäuscht, das nicht nur die Laune bessert oder verdirbt, sondern das „Befinden" des Menschengeschlechtes im weitesten Sinne, Hunger oder Sättigung, Gesundheit und Krankheit, Armut oder Reichtum bestimmt. Die Dienste,