Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Article
- Der hundertjährige Kampf um die Judenemanzipation in Rumänien [Rezension]
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 478 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912861-2918003--03629-2918114- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
478 MENORAH geführt wie gerade in Rumänien. Um die formale Emanzipation — denn von einer faktischen Gleichstellung der Juden kann heule erst bezüglich der wenigsten Staaten die Rede sein. Aber seilen ist von Regierungen so hartnäckig gegen die Erteilung von Menschen- und Bürgerrechten an die jüdische Minorität gekämpft, selten ist in dieser Beziehung gegenüber der europäischen Öffentlichkeit so viel inlriguiert worden, wie dies seitens der rumänischen Regierungen im letzten Jahrhundert geschehen ist, ja, trotz Friedensvertrag und Völkerbund heute noch geschieht. An der Hand historischer Dokumente führt uns nun der Verfasser der vorliegenden Schrift durch ein Jahrhundert schweren Kampfes der rumänischen Judenheit gegen ihre unmenschlichen Regierungen. Durch ein Jahrhundert schweren Leidens — müßte man eigentlich sagen. Denn die Juden halten in Rumänien kaum eine Möglichkeit, aktiv für ihr Recht einzutreten. Den Kampf gegen die mittelalterliche Judenpolitik Rumäniens und gegen die Anwendung der zaristischen Judengesetze führte ausschließlich die europäische Zivilisation, führten die Weststaaten Europas und die Signatarmächte des Berliner Kongresses. Erst seit Beendigung des Weltkrieges treten die rumänischen Juden aktiv in den Kampf um ihre Rechte. Diesem mutigen Auftreten sind zwei wichtige Ereignisse vorausgegangen: Die Resolution des amerikanischjüdischen Kongresses in Philadelphia vom 15. Dezember 1918 zugunsten der rumänischen Juden und die von der „Jüdischen Delegation" im Mai 1919 der Friedenskonferenz vorgelegten Forderungen hinsichtlich der Regelung der Judenfrage in Rumänien. Nicht zuletzt gehört hiehcr auch die Resolution der internationalen Sozialistenkonferenz zu Amsterdam im April 1919, die „aufs entschiedenste gegen die schmachvolle Behandlung der Juden in Rumänien protestierte und die Regelung der Judenfrage dieses Staates... unter internationaler Garantie forderte". In den letzten Jahren erst kämpften zwei Juden — Lerner und Sanilevici — von der Tribüne der rumänischen Kammer gegen die Zurücksetzung und Verfolgung der Juden in Rumänien. Wertvolles Material ist von kundiger Hand mit Sorgfalt in dieser Schrift bearbeitet. Es kann dem künftigen Darsteller der Gesamt geschiente der rumänischen Judenheit gute Dienste leisten. Die Bedeutung dieser sonst kurzen Abhandlung liegt besonders darin, daß sie, begleitet von historischen Dokumenten, bis in unsere Tage führt. Noch eines zeigt diese Schrift: daß der jüdischen Gemeinschaft nichts gegeben wurde, was sie sich nicht in hartem Kampf abgerungen hat. Nachschrift: Die vorliegende Abhandlung des Herrn Dr. Reifer ist noch vor den letzten rumänischen Parlamentswahlen erschienen. Seit wenigen Wochen sitzen zum Teil neue Vertreter der rumänischen Judenheit in Kammer und Senat. Jetzt wird der Kampf um die Emanzipation der rumänischen Judenheit von neuem entbrennen. Dr. H. M e i e r s o h n. GESCHICHTE DER ISRAELITISCHEN KRANKENVERPFLEGUNGS-ANSTALT ZU BRESLAU, ,at?Hp fcOntt Von Rabb. Dr. Louis Levin. 1726—1926. Breslau. Zweihundert Jahren segensreichen und gesegneten Wirkens der Breslauer Chebra Kadischa ist diese Schrift gewidmet. Das wenige historische Material, das dem Verfasser für die Geschichte der ältesten Zeit der jüdischen Siedlung in Breslau zur Verfügung stand, gibt in faßlicher Darstellung ein getreues Bild von der Entwicklung der Gemeinde bis zur Begründung der Brüderschaft. Von da an rückt das Krankenhaus und die ihm angegliederten Institutionen in den Mittelpunkt des Interesses und wir hören von der opfervollen Hingabe der Brcslauer Brüderschaft an ihre heilige Aufgabe. So wird dies Werkchen, bedeutend durch seine wissenschaftliche Genauigkeit und Übersicht, zur wahren Festschrift für die vergangenen und lebenden Geschlechter der Breslauer Judenschaft. Noah.