Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 8 (August 1926)
- Article
- Die sephardische Gemeinde im Haag
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 426 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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426 MENORAH zu entwerfen, mit dem Ausblick auf den Hanger Wald. Von dem Magistrat der Stadt wurde alle mögliche Unterstützung gewährt — wohl im Gegensalz zu dem Zustand, in welchem sich die Juden anderer Länder Europas befanden; und als zu jener Zeit von den Umwohnenden verlangt wurde, daß die Synagoge mit einem Glockenturm versehen werden solle, wovon sie sich viele Annehmlichkeit versprachen, wurde dieser Antrng sogar vom Magistrat abgelehnt. Die Synagoge, die gebaut wurde, weicht im Grundpiaii nicht sehr ab von der berühmten Synagoge der sephardischen Gemeinde in Amsterdam. Die Anzahl der Fensler auf beiden Seiten beträgt, in Erinnerung an die zwölf Stämme, ein Dutzend. Die Bimdeslade ist ein Meisterwerk aus schwerem Holz und mit schönem Bildhauerwerk verziert. Der Bau hat ungefähr 30.000 fl. gekostet, was für die reiche Gemeinde keinerlei Schwierigkeit bedeutete. Durch ein besonderes Opfer wurde bei der Einweihung allein für den Bau ein Betrag von 5025 gld. 15 st. gespendet; und noch 1500 fl. für die Armen, die, nebenbei bemerkt, in dieser Gemeinde nicht gefunden werden, so daß die Funktion des Dieners, welcher am Samstag vor der Synagoge den Besuchern die Degen abnehmen mußte, durch einen der deutschen Juden ausgeübt wurde, welche gleichzeitig mit den Portugiesen eine Gemeinde im Haag gegründet hatten, eine Gemeinde, die, obwohl zahlreicher an Seelen, nicht reich war und viel weniger Ansehen genoß. Das bedeutendste Haupt dieser hochdeutschen Gemeinde war der auch im internationalen Judentum wegen seines Auftretens bei Maria Theresia im Jahre 1745 bekannte Bankier Tobias Boas, dessen Söhne Abraham und Simeon die Tradition ihres Vaters fortgesetzt haben. (Siehe ..Die hochdeutschen Juden in s'Gravenhage seit ihrer Ankunft bis auf heule" von D. S. van Zuiden.) Ungefähr zwei Jahrhundertc befand sich die portugiesische Gemeinde Honendal, die im Jahre 1743 mit Belli Jacob vereinigt wurde, im blühenden Zustand. Wohl betrug die Seelenanzahl nur ein paar hundert Mitglieder. Aber diese gehörten beinahe alle zu den sehr Vermögenden und zum Adelsstand, in welchen drei Familien unter König Wilhelm I. erhöhen wurden, nämlich die Geschlechter Teixeira de Mallos, Lopes Suasso und Salvador. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nahm die Anzahl jener Familien, die sich taufen ließen, sehr zu, ebenso die Anzahl gemischter Ehen, während die Familien, die jüdisch blieben, nur sehr wenige oder keine Kinder halten. Deshalb gibt es jetzt keinen Salvador mehr und keine jüdischen adeligen Teixeiras und nur einen einzigen Lopes Suasso. Und doch hat die Gemeinde bis auf den heutigen Tag stets Sorge getragen, daß nur orthodoxe Oberrabbiner und Vorsänger an ihrer Spitze stehen und jüdische Gelehrtheit wurde in allen Zeilen sehr hoch geschätzt. Jetzt besieht die portugiesische Gemeinde bloß aus 20 Familien, aber sie besitzt noch einen Gelehrten als Oberrabbiner, Vorsänger und alles, was zu einer echten jüdischen Gemeinde gehört. An allen Samstagen, Freitagabenden und Festtagen wird in der jetzt beinahe 200 Jahre alten Synagoge Dienst gehalten, wobei wie früher die alten Gesänge und Melodien erklingen und derselbe Adel von einst euch enlgegenblinkt aus der Vergangenheit. Das Einverständnis mit der großen niederländischen Gemeinde war und ist allezeit das beste gewesen und verschiedene Angelegenheilen, wie zum Beispiel die Schechila, werden gemeinschaftlich versorgt. Da diese Synagoge bereits kurz nach ihrer Erbauung von anderen großen Häusern ganz eingeschlossen wurde, ist es auch jetzt unmöglich, eine Aufnahme zu machen und die einzige Reproduktion, die von ihr besteht, ist die nach einem ausgezeichneten Stich aus dem Jahre 1739, als die umliegenden Gründe noch nicht ganz verbaut waren. Denn von der ofTenen Straße ist die Synagoge jetzt nur durch eine enge Pforte sichtbar. Aus dein Holländischen van Elsa Eisler.