Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Palästina
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 395 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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PALÄSTINA / JÜDISCHE ERNEUERUNG 395 Erholungsheim in Arzo (Paläslina). Rekonvaleszcnle spielen Krocket Auswanderung der Juden aus ihrem Lande gibt, plausibel. Nach dem Seheitern der Unabhängigkeitskämpfe breitete sich lähmende Hoffnungslosigkeit über das Volk aus. Unerträglich war es für den jüdischen Stolz, im eigenen Lande Fremdherrschaft und Götzendienst, zu sehen. Die Vernichtung des Tempels, des Symbols nationaler Würde, hatte dem jüdischen Selbstbewußtsein einen unheilvollen Stoß gegeben. Als alle Versuche, selbständiges nationales Leben auf eigenem Boden wiederzugewinnen scheiterten, griff das ganze Volk zum Wanderstabe. Wanderung war nun durch die tausendjährige Geschichte das Schicksal des jüdischen Volkes. Rohe Gewalt, ökonomischer Zwang ließ es nirgends— mit einer Ausnahme in Babylonien — so festen Fuß fassen, daß es wie die einheimischen Völker an der Urproduktion teilnehmen, daß es in organischem Ständeaufbau gleicherweise Ackerbau, Handwerk und Handel betreiben konnte. So wurde immer mehr und mehr aus dem Volk der Bauern das Volk der Händler, aus den stolzen, bodenständigen Menschen das Volk der Lückenbüßer. Wo Handel und Verkehr darniederlagen, wo Potentaten Geld und seltene Waren benötigten, wurden die Juden zu gern gesehenen Gasten. Wehe ihnen aber, wenn sie bei dem Wirtsvolk gelehrige Schüler gefunden hatten, wenn eigene handeltreibende Stände sich bildeten. Dann wurden sie überflüssig, dann wurden sie verdrängt aus ihren Positionen, durch Gewalt oder durch wirtschaftliche Maßnahmen. Ob sich im Mittelalter — wie in Deutschland — judenreine Kaufniannsgilden zusammenschlössen, ob in der neuesten Zeit Boykott und gesetzliche Bedrückung — wie in Polen — den jüdischen Handel auszuschalten sich