Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1926)
- Article
- Palästina
- Date
- 1926-06-01
- Page
- Seite 394 (sequence 1)
- Language
- German
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PALÄSTINA / JÜDISCHE ERNEUERUNG aß die Juden in der Zeit ihrer heroischen Geschichte, nachdem sie J_ß festen Fuß in Erez Israel gefaßt hatten, ein soziologisch normal gegliedertes Volk darstellten, ein Volk, dessen Hauptberufe bodenverwurzelte, A c k e r b a u und V iehzucht waren, spricht aus tausend Stellen der Bibel. Weniger bekannt, von Dubnow im dritten Band seiner Weltgeschichte des jüdischen Volkes geschildert, ist die Tatsache, daß noch während mancher Jahrhunderte unserer Zeitrechnung die Landwirtschaft den hauptsächlichsten Berufsstand der jüdischen Bevölkerung Palästinas umfaßte. Der Talmud besitzt ein ausgedehntes System von Agrargesetzen, das die Bedeutung der landwirtschaftlichen Betätigung erweist. Die Verwurzelung mit dem Boden muß eine außerordentliche gewesen sein. Wie anders könnte man sich zum Beispiel den Hagadischen Spruch erklären: ,.Ein Mensch, der nicht eine Erdscholle sein eigen nennt, kann seinem Menschenberuf nicht voll genügen." Getrieben wurden A c k e r b a u, Garte n- und Weinbau. Das Handwerk war die zweite große Beruf sbetä Iigung dieser Zeit. Auch der Handel blühte, lag doch Palästina im Zentrum der Landhandelswege zwischen Babylonien und Ägypten, aber es herrschte — entscheidend für ein gesundes Volksleben — kein zahlenmäßiges Mißverhältnis zugunsten der handeltreibenden Bevölkerung. Grundlage für die Wirtschaft waren Ackerbau und Handwerk. Waruni unter der Römerherrschaft nach Vernichtung des nationalen Staates eine langsame, aber sichere Abwanderung aus Palästina einsetzte, die die Juden bis in die entferntesten Gegenden des römischen Weltreiches führte und Palästina fast entvölkerte, ist in seinen letzten Grundlagen kaum erklärlich. Es gibt eine rationalistische, nationalökonomische Erklärung. Durch den Übergang des Landhandels auf den Seehandel, durch die Bedeutung, die in der hellenistischen Zeit Ägypten, Kleinasien und die anderen Mittelmeerländer für den Handel gewannen, war Palästina aus dem Zentrum des Welthandels gerückt. Das sollte die handeltreibende, wohlhabende Schicht des Landes veranlaßt haben, die Heimat zu verlassen und sich in der Fremde neue Gewinnmöglichkeiten zu erschließen. Die zurückbleibende, wirtschaftlich nicht starke Bevölkerung, dezimiert durch Wirren und Aufstände gegen die römische Fremdherrschaft, folgte unter dem Zwange der immer drückender werdenden Verhältnisse dem Beispiel der Reichen und wanderte auch aus. Es gibt gegen diese Auffassung einen Einwand. Es ist schlechterdings kaum möglich, sich vorzustellen, daß ein Volk von der zähen Liebe zur Heimat, wie sie sich in der jüdischen Geschichte ausdrückt, sein Land so radikal aus rein wirtschaftlichen Gründen aufgeben konnte. Wenn man nun die Bedeutung der geistigen Haltung im Judentum, wenn man vor allem den jüdischen Volkscharakter in Betracht zieht, dann erscheint die Ergänzung, die Daniel Pasmanik in der ,,Seele Israels'' durch seine Begründung der radikalen Von Dr. Adolf Sin dl er