Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 4 (April 1926)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 252 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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252 M E N O R A H lauter Stimme mit, aber ihr habt ihn nicht gehört. Noch ehe die Tür wieder zugemacht war, schritt er mit ruhigen Schritten wieder hinaus. — Sage es aber niemand weiter, Zipperle; ich werde bald im Gan Eden sein." t)er Großvater sagte das so ruhig, daß ich nicht erschrak und mich nicht fürchtete. Und dann sagte er noch: „Der Malech hamowes hat Augen gehabt wie meine Müller selig." Über Cholhamoed durfte ich zur Tante nach Mirlingen verreisen; wie ich am Erew Jomtof mit dem Vetter David in der Postkutsche zurückkam, kam mir die Mutler selig mit rotgeweinten Augen entgegen: Der Großvater war vor zw7ei Tagen gestorben und lag schon auf dem guten Ort. „Das sind traurige Jomtofim gewesen, liebe Kinder'', schloß die Großmutter und nickte lange mit dem Kopf. Die Kinder hatten mit erschrockenen Gesichtern zugehört, wie der Malech hamowes in der Sedernacht zum Großvater herantrat, die Sederschüssel hielt und das Holachmohanjo mitsagte. Und es war noch eine ganze Weile still im Zimmer. Als man ihnen aber dann die Honigmazzen hereinbrachte, wurden sie wieder lustig und munter, und stritten sich um die gelbste und schönste. Nachstehende Arbeiten sind auf unser Preisausschreiben bisher eingelangt, weitere Veröffentlichungen folgen. DER MARANENSEDER. Es war Sederabend. Alle Familienmitglieder saßen um den Tisch, nur die Mutter sah in der Küche nach, was die Mazzothknödeln machten. Eben sollte der kleine Jakob die vier Fragen beginnen, da plötzlich ein Krach! Alle sprangen auf. Erschrocken blickten sie zur Tür. Auf ihren Gesichtern malte sich ein furchtbarer Schrecken. Sie hörten deutlich das Klirren der Waffen und laut erteilte Befehle. Auf einmal öffnete sich die Tür und ein Geistlicher im Ornat, ein Kreuz vor sich hinstreckend, trat ein. Es war der Oberrichter des grausamen Inquisitionsgerichtes. Ihm folgten in langer Reihe die Soldaten. Sie umzingelten im stummen Schweigen das Zimmer. Im Namen des Königs Ferdinand und der heiligen Inquisition erkläre ich euch für Gefangene! — ertönte die Stimme des Priesters. Wir sind verraten — ächzte der Vater. Ja, ihr seid verraten, antwortete der Inquisilionsrichter langsam und feierlich. — Wisset ihr, was für das verbotene Einhalten eurer sündigen Gebräuche euch erwartet?* Der Tod auf dem Scheiterhaufen! Kaum hörte das der unglückliche Vater, als er sich dem Richter zu Füßen warf und ausrief: Laß mich des grausamsten Todes sterben, doch verschone meine Frau und Kinder. Ich bin nicht arm, o Herr! Auch mein Geld sollst du haben, nur laß meine Familie leben. Nie und nimmermehr. Von den Juden verlange ich kein Opfer! Er winkte auf die Soldaten. Bindet sie! Schon stürzten sich die Männer auf die Unglücklichen, als . . . Aber Jakob, warum schläfst du denn! Stelle doch die Fragen — riefen ungeduldige Stimmen. Jakob erwachte aus dem kurzen Schlummer und sah mit Erleichterung die frohen Gesichter seiner Angehörigen und erkannte in seinem Traum: die gestern bis spät in die Nacht gelesene Maranengeschichle. Heinrich Lauterbach, Krakau, 12 Jahre. WEITERE EINSENDUNGEN SIND EINGELANGT VON: Anna Grimberg, Wien (10 Jahre). Fritz Kahn, Saarbrücken (10 Jahre). Gerli Kohn, Nikolsburg (13 Jahre). Herma Kunsladt, Fulda (10 Jahre). Eva Schiff mann, Gotha (13 Jahre). Alfred Winter, Regensburg (13 Jahre). Veröffentlichung der Beiträge nach Maßgabe des Raumes vorbehalten. Herausgeber Dr. Norbert Hoff mann, Eigentümer und Verleger Habrith-Verlagsgesellschaft m. b. H., sämtlich Wien, I., Zelinkagasse 13. Verantwortlicher Redakteur Friedrich Matzner, Wien, I.V., Rainergasse 25, Druck der Waldheim-Eberle A. G. (verantwortl.: Karl Wieland), Wien, VII., Seidengasse 3—11.