Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 4 (April 1926)
- Article
- Emil Cohn: Legenden [Rezension]
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 249 (sequence 1)
- Language
- German
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EMIL COHN: Legenden. Bei Georg Müller, München 1925. Nicht bloß der Inhalt, auch die Darstellung des Autors machen dies Buch zu einem Werke jüdischen Charakters, das, frei von Tendenz, rein ästhetisch gewertet werden sollte. Der alter und neuerer Überlieferung entnommene Kern der einzelnen Erzählungen gewinnt in der Hand des Dichters, der ihn in geistvollen Einfällen neu zu formen weiß, Frische und Leben. So wird die sonst oft bemerkte Eintönigkeit vermieden, die Werken dieser Kunstgattung, durch die Gleichartigkeit des Stoffes und der Form bedingt, leicht anhaftet. Erzählungen, wie die „Legende vom Rabbi Akiba", greifen tief in das Herz des Lesers, der in diesem Helden der Lehre und der nationalen Tat ein heroisches Schicksal sich erfüllen sieht. Anders zeugt wieder die Legende „Die fremden Jahre" von der tiefreligiösen Frömmigkeit des jüdidischen Lebens im Osten, die die Strenge der* Lehre mit der allumfassenden Liebe zu vereinen sich bestrebt. Die formvollendete Sprache macht dies Buch doppelt lesenswert. JOSEPH TRUMPELDOR: Das Zion Mule Corps. Tagebücher und Briefe. Jüdischer Verlag, Berlin 1925. Der Jüdische Verlag hat das große Verdienst, die „Tagebücher und Briefe" des einarmigen Offiziers von Gallipoli, des gefallenen Verteidigers von Tel Chaj, herausgegeben zu haben. Es sind ergreifende menschliche Dokumente, die fünf Jahre nach dem Tod Trumpeidors den Juden übergeben werden. Das Buch zerfällt inhaltlich in drei große Teile: Dokumente aus Rußland, von Port Arthur angefangen, wo er seinen linken Arm verlor und darüber in einem Brief an seine Eltern erst berichtet, nachdem er stolz verzeichnet, daß er am Schlachtfeld von den Russen befördert und dekoriert worden ist, über die Lehr- und Lernzeit hinweg, in der er sich bemüht, eine kommunistische Kolonie in Palästina nach entsprechender Vorbereitung in Rußland zu gründen, bis zu seinen ersten Arbeiterjahren in Palästina. Diesem ersten Teil schließt sich fast zusammenhanglos der Hauptleil des Bandes an: Gallipoli. Das Heldenepos — nicht etwa des kleinen jüdischen Korps, das mit 650 Mann gegen die Türken zog und von dem kaum ein Viertel zehn Monate später zurückkehrte -— sondern ein Heldenepos des jüdischen Offiziers, der übermenschliches tat, um eine disziplinlose, ungeordnete, nicht reguläre jüdische Abteilung, die sich mit Recht darüber beklagte, daß die Engländer ihnen die Versprechungen nicht gehalten hatten, die bei der Organisierung des Korps gemacht worden waren, trotzdem bis zur Auflösung des Korps zusammenzuhalten. Und der dritte Teil, der wie die tragische Fortsetzung der nutzlosen Kämpfe an den Dardanellen empfunden wird: der Kampf um Kfar Gileadi und Tel Chaj. Und der Tod. Trumpeldor war einer der Männer, für die das Wort Ehre, Vaterland, Palästina, keine Phrase, das Wort Tod aber leerer Schall war. Daß es heule in Palästina Tausende gibt, die so fühlen und so denken wie er, macht die innere Kraft des neuen Jischuw aus. Die Kraft, die nicht die Feinde zählt, und nicht die Freunde, sondern nur nach dem Ziel schaut. W. W. „DAS LUSTIGE BUCH FÜRS JÜDISCHE KIND." Unter diesem Titel gab Siegfried Abeles im Verlage Jakob B. Brandeis, Breslau, eine Sammlung seiner heiteren Erzählungen, Märchen, Gedichte, dramatischen Szenen und Rätsel heraus, welche vorher zum Teile in unserer Beilage „Für unsere Kleinen" erschienen. In diesem Buche lernt das Kind unsere Gebräuche, all die Schönheiten unseres Glau. bens in der einprägsamsten Weise kennen. N. 11.