Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 4 (April 1926)
- Article
- Das "Kaschern" des Geschirres für Pessach [Illustration]
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 219 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- illustration document
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2912821-2912853-2912858-2917298--03049-2917403- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
DAS „KASCHERN" DES GESCHIRRES FÜR PESSACH Das Geschirr wird in einem großen Kessel über dem offenen Feuer ausgekocht DAS „BODEK CHUMIZ" In der Nacht vor Pessach wird das „Chumiz" zusammengesucht. Man beachte den kleinen Knaben unter dem Tische, der die Kerze halt AUS EINEM MINHAGBUCHE (Amsterdam 1723) VON UNSEREN KÜNSTLERN: Ignaz Kaufmann / Mein Weg Bis zu meinem sechsten Lebensjahre war ich in einem winzigen Dorfe in Mähren, dann wuchs ich in Wien weiter. Mein Geburtstag ist der 13. Jänner 1885. Schon gut! Musterschüler war ich nicht. Meine Herren Lehrer sahen mich traurig an, ich sie auch. Ob ich die Hauswände bemalt habe, wie andere Wunderkinder, das weiß ich nicht mehr. Wo ich hintappte, schien mir die liebe Gotteswelt feindlich. Warum suchte ich Schönheit in hoffnungsloser Liebe? Meine Eltern waren arm, wie sollte ich da Maler werden? Untertags war ein Schildermaler mein erster Zeichenlehrer, abends ging ich in eine richtige Zeichenschule. Auch später habe ich sehr gelitten, wenn ich vor der leeren, unbemalten Leinwand stand. Wie Feinde starrten wTir uns an. Nie wurde ich verwöhnt. Lange Jahre war ich der einzige, den meine Malerei interessierte. Wenn ich zurückblicke, nehme ich es keinem meiner Freunde übel. Ich hatte auch noch so viele Bildungslücken zuzukleben. Das Leben habe ich damals so naiv angesehen, wie ein Bauernjunge den Kaiser. Langsam bin ich dahinter gekommen, daß mit glänzendem Lack häßliches Blech zugedeckt wird; und auch das Blech war wertlos. Die empfindlichen Stellen der Seele bekamen mit der Zeit eine Hornhaut.