Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 128 (sequence 1)
- Language
- German
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128 MENORA II DER KIDUSCHBECHER! Es war Sederabend. Alle Familienmitglieder saßen um den Tisch, nur die Mutter sah in der Küche nach, was die Mazzothknöderln machten. Eben sollte der Meine Jakob die vier Fragen beginnen, da plötzlich ein Krach! Der Kiduschbecher kipple auf das schneeweiße Tischluch um. Die Multcr stand im Türrahmen: Jakob, was hast du schon wieder gemacht?" Es ist gut, daß heule Sederabend ist, denn sonst würde es dir sicher schlecht ergangen sein. Die Mutier deckle von Neuem den schönen, feierlichen Scderlisch. Jakob begann noch einmal mit den vier Fragen. Bei der drillen fragte der vierjährige Müusche: „Wenn gibt es zu essen?" Der Vater sagte: ..Pst, Müusche, warts ab." Am besten gefiel den Kindern die Hagadahvorlesung. Der kleine Müusche verstand zwar Nichts, aber er mußte seine Meinung auch abgeben. Er sagte nur: „Am besten schmeckten mir die Hareuses." Der Vater sagte: „Jetzt könnt ihr die Mazzo suchen." Der Jakob fand sie. Er sagte: „Vater, ich wünsche mir ein Gebetbuch." Der gute Vater willigte zu diesen gulen Wunsch ein. Gleich nach den Feiertagen bekam er seinen Wunsch erfüllt. Er wurde später ein guter Talmudschüler. Und machte dadurch seinen allen lieben Eltern große Freude damit. Irene Grünberg, Chemnitz i. S.. zwölf Jahre. DAS GLAS DES PROPHETEN ELIAS Es war Sederabend. Alle Familienmitglieder saßen um den Tisch, nur die Mutter sah in der Küche nach, was die Mazzothknöderln machten. Eben sollte der kleine Jakob die vier Fragen beginnen, da plötzlich ein Krach, ein Klirren. Die kleine Mirjam hatte das Glas, das vor dem Vater stand, mit den kleinen ungeschickten Händen heruntergerissen. Es war das Glas, welches für den Propheten Elias bestimmt war, gewesen. Der Vater sah Mirjam ernst an, und diese weinte bitterlich. Da, als der Vater die vier Fragen beantwortet halle, ging die Tür auf und ein alter Mann, erschien. Laßt mich mitbeten, bat er. Er selzle sich in einen Lehnstuhl, der mit Kissen belegt war. Denn es heißt; Ihr sollt angelehnt sitzen am Tage des Auszuges aus Ägypten. Frei sollt ihr sein! Nun stand der Fremde auf und er schien zu wachsen in den Augen der Kinder und der Eltern. Voll und warm klang seine Stimme. Ihr Juden, harret des Messias, sprach er. der euch erlösen soll. Er soll euch Frieden bringen, heiligen Frieden, eine neue Auferstehung, daß ihr wieder einzieht in Jerusalem in der Sladt eurer Väler. Hier schwoil seine Stimme an. Aber was tut i h r, um wieder rein zu werden? Ich höre das Weinen der jüdischen Kinder, die nicht wissen, was Heimat ist. Ich höre die Gebete und Klagen der Allen, die an der Klagemalier in Jerusalem sitzen. Und der Messias soll euch erlösen. Haltet eure Religion wert, denn sie ist ein Heiligtum, das Wort Goltes. es muß rein gehalten werden. Was sind die Juden ohne Religion? Und ihr sollt mir sein ein Volk von Priestern, ein heiliges Volk. Wehklagend steigen die Tränen der Stammutter Raheis empor. Was ist aus meinem Volke geworden? Haltet euch rein von allem Bösen, werdet wieder Juden, dann wird der Messias kommen und euch erlösen. Er schwieg und war verschwunden. Die Kinder standen auf und beiden, der Vater senkte den Kopf. Tränen rannen in seinen Barl, denn er meinte um sein verlorenes Volk. Ruth Tichauer, Breslau, zwölf Jahre. Die Bibel das erste Buch Moses Holzschnitte von Hermann Fechenbach Am l. und 15. jeden Monat erscheint e'n neues Bild. Abonnentenpreis: Mk. 1*50 pro Oiiginalholzschnitt. Einzelpreis: Älk. 4- — Bestellungen sind zu richten an Hermann Fechenbach, Stuttgart, Gymnasiumstr. 53,11 oder an Habrith-Verlag, Wien, Postfach Herausgeber Dr. Norbert Iloffmann, Eigentümer und Verleger H a b r i t h-V er 1 agsg e s e Iis ch a f t m.b.H., Sämtlich Wien, I., Zelinkagasse 15. Verantwortlicher Redakteur Friedrich Matzner, Wien, JV., Rainergasse 25. Druck der Waldheim-Eberle A. G. (verantwortl.: Karl Wieland), Wien, VII., Seidengasse 3—11.