Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Article
- Drei Gedichte
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 121 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus unserer Hebräischen Anthologie Drei Gedichte von David Vogel Daheim Die Gärten noch einsam stehen Wie dazumal, In der Mittagsglut wird ihnen schwer die Last Und sie senken Müde die Häupter. Die Hennen sind schon geschlachtet, Oder zerrissen, Die Küchlein fortgeflogen. Meine schlanke Mutter ist schon ergraut, Oder auch gestorben. Aber noch naht jeder Abend Und beugt sich zur Erde Still und lieblich Wie einst. Die Kinder sind müde des Tags Und entschlummern, wo sie auch sind Und ich bin nicht da. Groß wie die Weiher und durchsichtig Waren die Tage Der Kindheit. Wir saßen lange an ihren Ufern Und lachten, Oder stiegen hinab, Zu schwimmen im klaren Gewässer. Zuweilen auch weinten wir In den Schurz unserer Mutter, Denn wir waren voll Leben Wie Krüge Weins. Tage gleiten an mir ab — Und ich gehe dich suchen, Vater. Will ruhen auf einem Stein Am Rand meiner Wege, Jeden, der vorübergeht, fragen: ..Wohin ging mein Vater?" Fronuncs Gottes wort Du mir, Glüht durch all mein Leben.' Da stehe ich noch vor dir, Dein kleiner, guter Knabe, Und meine Hand zupft leise Am Knopf deines schwarzen Gewandes. Wo schläfst du, mein Vater? Könnte ewig An deinen Lippen hangen, Deinen stillen Schlummer hüten. Tage gleiten an mir ab — Und ich gehe dich suchen, Vater. Ins Deutsche übertragen von Isaac Schreyer