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Menorah · 1926-02-01 · Heft 2 (Februar 1926) · p. Seite 118

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 2 (Februar 1926)
Article
Jean Paul und das althebräische Schrifttum
Date
1926-02-01
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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118 MENORAH Auf Grund dieses Bekenntnisses könnte man wohl der Ansicht sein, Jean Paul sei in der Kenntnis des Hebräischen und des hebräischen Schrifttums beim „Anfangswort" als ein Anfänger stehen geblieben. Seine Werke indes bezeugen, daß der Dichter auch auf diesem Wissensgebiete fortschreitend seine Kenntnisse mehrte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß Jean Paul auch später, nachdem er längst der Schwarzenbacher Schule entwachsen war und auch nicht mehr die theologische Wissenschaft ex professo trieb, sich für die hebräische Sprache und ihr altes Schrifttum lebhaft interessierte. Man kann diese Annahme in Jean Pauls Gesamtwerk von Buch zu Buch bestätigt linden. Ja, man darf sogar ohne sonderliche Kühnheit behaupten, daß des Dichters frühe Jugendliebe zu dem „hebräischen Sprachgerümpel" später in ein recht intimes Verhältnis übergegangen sei. In der Glanzzeit der deutschen Klassik, wo so viele Siegel und Schlösser von alten Schriftwerken gelöst wurden, hat sicherlich kein zweiter unter den Dichtern vom hebräischen Schrifttum soviel gewußt und soviel in seinen eigenen Schriften daraus verwendet wie Jean Paul. Selbst Lessing, der doch mit Moses Mendelssohn befreundet war und auch sonst in seinen Werken den Hebräern nicht aus dem Wege ging, selbst Gotthold Ephraim Lessing hat nur ein einzigesmal ein rabbinisches Schriftwerk erwähnt, nämlich den „Jad Chasaka" des Maimonides; und zwar erwähnt er ihn in dem Lustspiel „Der junge Gelehrte". Jean Paul dagegen streut schockweise Regeln der hebräischen Grammatik, massoretische Grundlehren, alttestamentliche Gleichnisse und rabbinische Weisheitssprüche in seine Werke ein. Wer die Werke des Dichters mit Aufmerksamkeit liest und im althebräischen Schrifttum auch nur einigermaßen Bescheid weiß, der wird, auch ohne zu suchen, in jedem Sektor, in jedem zweiten Zettelkasten, in jedem dritten Extrablatt zum mindesten eine rabbinische Weisheitsperle finden. Dabei hat man nie die Empfindung, als gäbe hier Jean Paul mehr, als er besitzt; im Gegenteil, er gibt aus dem Vollen, wie einer, der nicht zu knickern braucht. Freilich, im Glitzerschein seiner Humore glänzt das alte Gold ganz anders, aber das gehört ja eben mit zu Jean Paul, daß er alles, Eigenes und Fremdes, jeanpaulisch poliert. Schon in der Jugendschrift „Auswahl aus des Teufels Papieren" holt Jean Paul aus ziemlich entlegenen Bezirken des althebräischen Schrifttums einige seltene Glanzsteinchen herbei, um im kleinen Meisterstück „Nötiges Aviso vom Juden Mendel" zu dem rechten Ton auch den rechten Inhalt zu fügen; er nennt das kabbalistische Buch „Sefer Rasiel", dann die Gemara, und gibt zu guter Letzt (in einer

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