Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1926)
- Article
- Studie zum Buche Ruth
- Date
- 1926-02-01
- Page
- Seite 78 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Studie zum Buche Ruth Von David Feuchtwang 1. Goethe bemerkt in den Noten zum Westöstlichen Diwan: „B ei Spiels - willen jedoch gedenken wir des Buches Ruth, welches in seinem hohen Zweck einem Könige von Israel anständige, interessante Voreltern zu verschaffen, zugleich als das lieblichste, kleine Ganze betrachtet werden kann, das uns episch und idyllisch überliefert ist. Ebenso hat das Buch Ruth seinen unbezwinglichen Reiz über manchen wackeren Mann schon ausgeübt, daß er dem Wahn sich hingab, das in seinem Lakonismus unschätzbar dargestellte Ereignis könne durch eine ausführliche, paraphrastische Behandlung noch einigermaßen gewinnen." Goethe hat recht. Man kann an dieser Perle antiker, hebräischer Überlieferung durch vieles Kommentieren mehr verderben als verbessern. Die Erzählung ist so klassisch schön und von solcher Lebendigkeit, daß sie nur mit den allerschönsten biblischen Erzählungen verglichen werden darf. Archäologischer Beleuchtung entzieht sie sich trotzdem nicht. Gerade wegen des gepriesenen und tatsächlichen Lakonismus, der schon den alten, gelehrten Lesern und Erklärern auffiel und zu denken gab. Man sollte und könnte sich schon an der Schönheit der reizenden Erzählung erfreuen, ohne nach Zweck und Ursprung zu fragen, wäre sie nicht ein Teil der heiligen Schriften. Goethe hat einen richtigen Blick bewiesen; der Endzweck des Büchleins ist die Herstellung des Stammbaumes des Königs David und in weiterer Folge des Messias. Für die Christenheit also des Jesus. Die Gelehrten sind nicht einig darüber, welchem höheren, religösen Gedanken die Ruth-Erzählung Ausdruck verleihen will. Der durchaus selbständige, schriftstellerische Charakter weist ihm eine besondere Stelle an. Die kulturhistorische, feingefügte Schilderung paßt durchaus in den Rahmen der friedlichen Perioden der Richterzeit, so daß eine Versetzung in weit jüngere Zeit nicht nötig erscheint. Man versuchte trotzdem, sie als politische Tendenzschrift auszugeben aus der Zeit bald nach dem Untergang des Samaritanischen Reiches, als bildliche Einkleidung des Gedankens, daß die Könige aus dem Hause Davids nicht nur die Erben Judas von Boas her seien, sondern auch auf das verwaiste Ephraimistische Territorium Ansprüche hätten durch Obed, den rechtlichen Sohn des Ephiaimiten Mahlon (Reuß). Andere wieder (Graetz, Kueneh, Kautzsch usw.) meinen, der Verfasser sei ein Gegner