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Menorah · 1926-02-01 · Heft 2 (Februar 1926) · p. Seite 72

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
4 (1926)
Issue
Heft 2 (Februar 1926)
Article
Ein jüdisches Adelsgeschlecht
Date
1926-02-01
Page
Seite 72 (sequence 3)
Language
German
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72 MENORAH darauf bedacht ist, täglich für sein und seiner Frau Seelenheil beten und „lernen" zu lassen. Aber Chajim Wolf ist nicht mehr der einfache, puritane Bresnitzer Jude. Er verkehrt in vornehmen Kreisen und in hohen Regierungsämtern und legt zuvörderst den jüdisch klingenden Namen Chajim ab, um ihn gegen den vornehmeren Joachi m einzutauschen. Dann wird er um die Verleihung des Adels hittlich, die ihm, in Ansehung seiner und seines Vaters Verdienste. 1790 auch tatsächlich zuteil wird. Die Hofkreise finden die Sache schon deshalb weniger bedenklich, weil der Petent kinderlos ist und daher der hohe Glanz des Adels mit ihm verlöschen wird: Joachim Edler von Popper — wie er sich fürderhin nennt — läßt denn auch die Hofkreisfc nicht lange warten: schon nach fünf Jahren versammelt er sich zu seinen Vätern, ohne leibliche Erben zu hinterlassen. Interessant und nicht ohne Folgen für die Abfassung seines letzten Willens ist sein, in dem „Jahrhundert der Aufklärung" fußendes Bestreben, die Religionen miteinander zu versöhnen . . . Schon zu seinen Lebzeiten beginnt die Abbröckelung der Familie, der Abfall vom Judentum: Moses Dobruschka, der die Adoptivtochter Poppers heiratet und 1775 mit 20 Jahren einen hebräischen Kommentar zum philosophischen Werke „Bechinat olam" des Jedaja Penini aus Beziers verfaßt, läßt sich samt seiner Gattin noch im selben Jahre taufen und nimmt den Namen Franz Thomas Schönfeld an. Nach dem Tode Poppers erfolgt der vollständige Zusammenbruch: Sein NefTe und Kompagnon, Abraham Dusensi, den er als Universalerben einsetzt, ist der Leitung des großen Handelshauses nicht gewachsen und so geht die altchrwürdige Firma bald daraufhin ein. Dusensi, der sich nun Andreas Josef Popper nennt, tritt zum Christentum über und läßt sich im Dorfe Gersthof bei Wien nieder, wo er eine ausgedehnte Besitzung erwirbt. Hier läßt er ein Schloß bauen, einen englischen Garten anlegen und wird ein frommkathnlisclies Pfarrkind. Durch seine Heirat ist er ein naher Verwandter des einflußreichen jüdischen Notabein Freiherrn von Arnstein, der ihn auch in die Wiener Gesellschaft eingeführt haben dürfte. Der zeitgenössische Polizeibericht spricht einmal von im Hause Arnstein anwesenden getauften Verwandten, wahrscheinlich wird sich aiich Andreas Josei Popper unter ihnen befunden haben. Mit der Zeit gehl der ganze Poppersche Besitz in Gersthof — heute steht die Kirche zum Heiligen Leopold darauf — in den Besitz der katholischen Kirche über, wie auch mit dem Ertrage der Heiratsstiftung im Laufe der Zeit zum großen Teile christliche Nachkommen der Familie Popper beteilt werden. So entgleitet allmählich das ganze Popperschc Vermögen dem Judentum. Joachim hat es nämlich — wiewohl er durch den Fall Dobruschka-Schönfeld hätte gewarnt sein müssen — unterlassen, unter die Bedingungen für die Bewerbung um die Heiratsstiftung die Zugehörigkeit zum Judentume aufzunehmen. Der Autor vermutet nicht mit Unrecht, daß Popper, von seiner assimilatorischen Auffassung über die Versöhnung der Religionen ausgehend, das Festhalten am Judentume nicht ganz ohne Absicht auszubedingen unterlassen haben dürfte. Dies im kurzen der Inhalt der sehr interessanten Arbeit, die der gelehrte Verfasser zu Chanuka dem jüdischen Schrifttum geschenkt hat. Das Werk, dem ein lehrreiches Bildermaterial beigegeben ist, stellt das Ergebnis einer auf hunderten von Quellen und auf persönlichem Augenschein in Bresnitz und in Prag beruhenden gewissenhaften und mit emsigem Fleiße betriebenen Forschung dar, die oft verblüffende Zusammenhänge der jüdischen Familien und Kulturgeschichte der österreichischen Staaten im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte aufdeckt und daher des Interesses eines zahlreichen Leserkreises sicher sein kann. Ludwig B a t ö.

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