Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 4 (1926)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1926)
- Article
- Unsere Mutter
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 1)
- Language
- German
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64 MENORA II Das durchaus nickt elegante, aber gemütliche Wohnhaus mit dem großen Vorhaus" — Vorzimmer gab es damals nur selten — das nicht gedielt war, sondern Steinfliesen hatte; die Treppe, die direkt auf den Boden führte; zur rechten Hand das Wohnzimmer mit dem schönen alten Schreibtisch, der — man denke, wie uns Kinder das interessierte! — ein richtiges ,,Geheimfach* ' hatte; der Bücherkasten mit den grünen Vorhängen, darin zumeist wertvolle hebräische Bücher; das schwarze Ledersofa, der gemütliche runde Tisch davor . . . Ich bin ein Sonntagskind, es ist mir immer gut gegangen, aber jene Welt erscheint mir wie eine selige Insel stiller Lebensfreude . . . Als Mutter ihr zwölftes Kind erwartete — eigentlich das dreizehnte, denn eines, Cilly, war im Alter von einem Jahre gestorben — kaufte Vater ein kleines Haus in der Pechringstraße, das seinem früheren Kompagnon gehörte. Es war eine Notwendigkeit bei dieser Kinderschar. Wir hatten die ganze Zeit über, fast zwanzig Jahre, bei einem Hausherrn gewohnt, zuerst im alten Hause, dann im Neubau. Mutter vertrug sich wunderbar mit der Hausfrau, der Gattin des Bäckermeisters und Fischzüchters G., obwohl nicht gar leicht mit ihr auszukommen war: einmal machten ihr die Kinder zu viel Lärm, ein andermal brauchte sie selbst die Waschküche an dem Tage, an dem wir sie sonst immer benützten — kurz, Vater kam einem tiefgefühlten Bedürfnisse entgegen, als er das Häuschen, erstand. 'Fortsetzung folgt.) Die Bibel das erste Buch Moses Holzschnitte von Hermann Fechenbach Am l. und 15. jeden Monat erscheint e'n neues Bild. Abonnentenpreis: Mk. i-f><) pro Originalliolz.sch.nitt. Einzelpreis: Mk. 4- — Bestellungen sind zu richten an Hermann. Fechenbach, Stuttgart, Gymnasiumstr. f>:i/ll oder an Habrith-Verlag, Wien, Ii, Postfach Für unsere Kleinen LIEBE NICHTEN UND NEFFEN! Eure Antworten auf meine letzte Frage, welcher jüdische Fest- oder Gedenktag Euch am besten gefällt, haben mich wahrhaft überrascht. Sie waren alle so klug und schön, daß ich manchmal denke, da hat wohl der Vater oder der große Bruder ein wenig mitgeholfen. Immerhin ist fast jeder jüdische Fest- oder Gedenktag in einer Zuschrift genannt worden und Ihr seht daher, wieviel Hehres und Schönes das Judentum seinen Kindern bietet. Aber nun will ich einmal erproben, ob Ihr wirklich so ungeheuer klug seid und will Euch daher eine Geschichte erzählen. Es war Scderabcnd. Alle Familienmitglieder saßen um den Tisch, nur die Mutter sah in der Küche nach, was die Mazzolhknödeiin machen. Eben sollte der kleine Jakob die vier Fragen beginnen, da plötzlich ein Krach . . . Weiter erzähle ich die Geschichte nicht, denn alles erzählen kann sich auch ein Dummer lassen. Seid Ihr aber klug, dann erzählt selbst weiter, was das für ein Krach gewesen und wie sich die Sache hernach zutrug. Auch den Titel müßt Ihr unserer Geschichte geben. Die schönsten Erzählungen, die aber nicht länger als dreißig Druckzeilen sein dürfen, werden preisgekrönt. Vergeßt nicht, in Euren Briefen Name, Alter und Adresse zu vermerken. Mit vielen Grüßen Eu er Onkel B e n N a l h a n. Herausgeber Dr. Norbert Hoffmann, Eigentümer und Verleger 11 a b r i t h - V e r 1 ag s g e s e 1 ls ob a i't m. b. 11., sämtlich Wien, L, Zelinkagasse l-,. Verantwortlicher Redakteur Friedrich Matzner, Wien, IV., Rainergasse 25. Druck der Waldheim-Eberle A. G. (verantwortl.: Karl Wieland), Wien, Vif., Seidengasse 3—11.