Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1925)
- Article
- Sekiyyot ham-miqra [Rezension]
- Date
- 1925-12-01
- Page
- Seite 269 (sequence 1)
- Language
- German
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M E NORA H Literarische Rundschau herausgegeben von M. Soloweitschick, Berlin 1924. Dwir-Mikra Es gibt viele Gründe für die große Zurückhaltung, die in bibelwissenschaftlichen Fragen von jüdischer Seite geübt wird; aber alle diese Gründe enlbinden uns nicht der Verpflichtung, notwendige Aufgaben zu erledigen. Eine der dringendsten war wohl d e Herausgabe eines Bilderatlas für die sogenannte biblische Zeit, deren Realien einen großen Interessentenkreis haben und die für den Schulunterricht gar nicht zu entbehren sind. Die Funde und Ausgrabungen haben eine solche Fülle wichtiger Objekte gerade im letzten Jahrhundert zutage gefördert, daß man an diesen Dingen keineswegs vorbeigehen darf. Die wissenschaftlichen Veröffentlichungen sind dem großen Publikum unerreichbar und kaum verständlich, die populären Bearbeitungen sind von christlicher Seite und in diesem Sinn geschrieben (z. B. der weit verbreitete Benzinger). Besonders für die Schule mußte dies aus pädagogischen Gründen peinlich empfunden werden. Der vorliegende Atlas umfaßt zirka 700 teils ganzseitige, teils kleinere, bunte und einfarbige Bilder, die durch einen erläuternden Text dem Leser näher gebracht werden sollen. Die erste Abteilung „Lau clschaft" bringt etliches Neue, besonders Fliegeraufnahmen, die viel zum Verständnis beitragen, aber es finden sich auch einige der alten Phantasiebilder, an deren Stelle man lieber moderne Photos sehen würde. Dies gilt auch für alle Zeichnungen der 2. Abteilung „Flora und Fauna", die 3. Abteilung ,,V ö 1 k e r t y p e n" und die 4. Geschichtsdenkmäler" dürften als recht vollkommene Leistungen angesehen werden. 5. „Maße und Gewichte" hätten vielleicht besser zur letzten, der 9. Abteilung gestellt werden können, zumal sie dann auch den Teil 8, „Kunstwerke", ergänzt hätten. Bei den Kunstwerken fehlt die hellenistische Periode, aus der es doch Fundstücke hätte geben müssen. Bei dem Schriftwesen verwundert einen der Ductus aus dem zehnten Jahrhundert, während keine der hellenistischen Grabinschriften zu finden sind und vor allem die erste hebräische Quadratinschrift fehlt. Abteilung 6, „Profane Altert ü m e r", beweisen den Fleiß, mit dem diese kleinen aus der Fachliteratur ausgesucht wurden. Die vorsichtigerweise ans Ende gestellten Sepulkralaltertümer hätte man lieber am Anfang der 7. Abteilung, ,,K u 11 u r a I t e r t ü m e r", gesehen, weil sie schließlich nicht nur ideenmäßig, sondern auch tatsächlich vielfach, besonders in frühen Epochen, als Kultplätze zu befrachten sein dürften. Für die Kulturalterlümer, besonders für die nichtpriesterlichen, gilt das gleiche, was für die Abteilung 6 bereits gesagt wurde. Mag man auch hie und da anderer Ansicht als der Herausgeber, hauptsächlich bei der Benutzung von Rekonstruktionen, sein, die Schwierigkeit der Arbeit und die große Mühe muß lobend anerkannt werden. Nicht auf Einzelheiten kommt es bei diesem Werk an, sondern auf den Mut, zum ersten Male von jüdischer Seite die Arbeit begonnen zu haben. Daß es außerordentlich schwer ist, in dieser Fülle von Fachgebieten stets das Richtige zu finden, versteht sich von selben und tut der ganzen Sache nicht den gering sten Abbruch. Erich I oeplu/.. BIBLISCHE ARCHÄOLOGIE. Von Dr. Edmund Kalt, Professor am Priesterseminar in Mainz, hreiburg i. B., 1924, Verlag Herder & Co. Seit Jahrzehnten haben die horschungen und Entdeckungen der letzten dreißig Jahre i.i Ägypten und ganz Vorclerasien ein ungeahntes Licht auf manches dunkle und umstrittene Gebiet der Bibel geworfen. Wer aber die Heilige Schrift verstehen will, muß vertraut sein mit dem Land der Bibel, muß das Volk Israel kennen, seine Eigenart und seine Gedankenwelt, seine Sitten und Gesetze, seinen Kult und seine Beziehungen zur heidnischen Umwelt. Der Grundriß der „Biblischen Archäologie" will eine Lücke ausfüllen, will den Studierenden ein praktisches Lehrbuch in die Hand geben und allen eine knappe Orientierung bieten, die entweder als Religionslehrer die Biblische Geschichte zu erklären haben oder ihr ein privates Interesse entgegenbringen. Er behandelt in vier Abschnitten: Das Land Palästina und seine BeAvohner, die privaten, staatlichen und religiösen Altertümer Israels. Ungeachtet des bescheidenen Umfanges des Büchleins, ist nicht nur das archäologische Material in relativer Vollständigkeit übersichtlich verarbeitet, der Verfasser hat auch die Linien des historischen Werdeganges aufgezeichnet. Er hat die geologische Entwicklung Palästinas und die Völkerverschiebungen auf seinem Boden, die Geschichte der materiellen Kultur Israels, seine Verfassung, sein Rechtsleben und seine Kultur berücksichtigt. Eine sorgfältig getroffene Auswahl der einschlägigen Literatur soll jenen als Wegweiser dienen, die über einzelne Fragen weiteren Aufschluß suchen; ein ausführliches Sachregister erleichtert eine rasche Orientierung. Diese von katholischer Seite gelieferte Arbeit hat für uns deshalb größere Bedeutung, weil sie positiver eingestellt ist, als die meist von evangelischen, stark bibelkritisch (und oft auch antisemitisch) veranlagten Gelehrten hergestellten „Biblischen Archäologien". Ein Blick in die LiteraUitangaben lehrt, daß der Autor auch die Arbeiten jüdischer Gelehrter kennt. Jede Seite spricht von einem liebevollen Verstehenwollen und einer Achtung unserer Gemeinschaft, die ungemein sympathisch berühren. Beschämend ist es, daß dieses nützliche und praktische Buch von nichtjüdischer Seite geschahen wurde. Wann werden unsere Gelehrten aufhören, fremde Felder zu bestellen? Auch für den katholischen Gelehrten bestehen die gleichen Schwierigkeiten, die angeblich unsere Fachleute (nach Guttmann-Berlin) so sehr hindern; sollte es nicht doch andere Gründe haben? Wann werden unsere Verleger anfangen, notwendige Arbeiten in Auftrag zu geben, und wann werden sie so tadellose Arbeit leisten, wie es Herder im vorliegenden Büchlein getan hat? Die Juden sollten weniger auf das meist schlechte Beispiel der evangelischen und mehr auf das meist sehr gute (und für unsere Aufgaben analoge) der katholischen Welt achten! Erich 1 oeplitz. S. M. DUBNOW, WELTGE¬ SCHICHTE DES JÜDISCHEN VOL¬ KES IN ZEHN BÄNDEN. Jüdischer Verlag, Berlin. Im Jüdischen Verlag, Berlin NW. /, Dorotheenstraße 35, erscheint soeben das groß angelegte Geschichtswerk des bekannten Forschers. Nach der vor mehr als lünfzig Jahren erschienenen „Geschieh e der Juden" von Heinrich Graetz ist das Dubnowsche Geschichtswerk das erste, welches unter modernen Gesichtspunkten und unter Verwertung der letzten Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung es unternimmt, die jüdische Geschichte auf einer gleich breiten Grundlage darzustellen. Das Geschichtswerk zerfällt in drei Zyklen. Der erste (Band I bis III) umfaßt d;e orientalische Periode, der zweite (Band IV bis VII) die westliche Periode und der dritte (Band VIII bis X) die neueste Geschichte. Die letzten drei Bände sind als „Neueste Geschichte des jüdischen Volkes" berei s im Jüdischen Verlag erschienen. Der erste Band, übersetzt von Dr. A. Steinberg, der mit der Entstehung des Volkes Israel beginnt, und mit dem babylonischen Exil abschließt, erschien Ende März, der zweite im September, der dritte im Dezember 1925. Im ]ahre 1926 erscheint Band IV, V, VI und"VII. Die schon erschienenen Bände (VIII bis X) werden als letzte Bände der „Weltgeschichte" 1926 ebenfalls neu aufgelegt, so daß Ende 1926 das Gesamtwerk komplett vorliegen wird. Das Werk wird auf holzfreiem Papier in der Didot-Antiqua mit aller Sorgfalt gedruckt. Es erscheint eine Ausgabe in Ganzleinen und Halblccler. Der Umfang jedes Bandes beträgt zirka 500 bis 600 Seiten Großoktav, der Gesamtumfang des abgeschlossenen Werkes demnach weit über 5000 Seiten. Der Verlag veranstaltet auf das Gesamtwerk eine Subskription zu ermäßigten Preis. Näheres ist einem acht seitigen Prospekt zu entnehmen, der vom Verlag kostenlos zu beziehen ist. Besonders beachtenswert ist die Einleitung in das Gesamtwerk, die dem ersten Band vorangestellt ist. Sie gibt über die Grundauffassung Dubnows und seine soziologische Methode im Gegensatz zur früheren theologischen und spiritualistischen Auffassunc Ausk unft.