Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 3 (1925)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1925)
- Article
- Frau Mathilde Strnad [Illustration]
- Date
- 1925-12-01
- Page
- Seite 259 (sequence 1)
- Language
- German
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M E N O R A H 259 GRETE WOLF-KRAKAUER (Wien Grete Wo 1 f-K r a k a u e r Von ELSE HOFMANN ..Denn ich werde noch etwas. Wie groü oder wie klein, das kann ich selbst nicht sagen, aber es wird etwas in sich Geschlossenes." Mit dreißig Jahren hat P;uila Becker-Modersohn in einem Brief an ihre Mutter dieses Wort der Demut und der Freude niedergeschrieben. Und da hat sie ihrer Mutter für ihr L?ben gedankt. Die Briefe von Paula Becker sind gesammelt und herausgegeben worden und ihre Überschrift lautet ganz einfach: „Eine Künstlerin." Sic hat Bilder hinterlassen und ein Bild ihres Ich. Ein warnies liebliches, das nach ihren Levkojen und Narzissen duftet, nach den weißen Kastanienkerzen und dem Mond, der über den Gärten steht. Die Pärchen küssen sich im Jardin du Luxembourg, die kleinen Mädchen tanzen in Radfahrhosen und Sommerblusen mit ihren Studenten bei ,,Bullier" . . . irgendwo in der Ferne ist ein lieber „Lieber" „und in der Tiefe fließet der Styx, tief und langsam . . .". Grete Wolf-Krakauer ist glücklicher als Paula Modersohn war. Irühzeitig hat sie sich entwickelt, mit zwanzig, in einem Aller, in dem die Becker erst anfangen durfte, zeichnen zu lernen, hat sie in der Sezession schon ausgestellt, in der „Ausstellung der Jungen" und damals schon hat eine Ireundliclie Kritik ihr „Selbslporträt" und ihic FRAU- MATHILDE STRNAD „Sonnenblumen" hervorgehoben. Ja. ihre Schicksale sind verschieden und die glücklichere ist Grete Wolf. Aber ihre Charaktere das liaulich-weiche, aber zugleich realistisch-kühne. Wahrheit und inneres Flingezwungensem zu dem Neuen, eine Phantastik, die mit Moiulhcht, GJrgebnge, Kristallen und Blumen spielt und eine mütterliche- 1 reue, die das kleine Kind gern als Modell nimmt und sor.Uälti:: sinnlich schildert — das haben sie gemeinsam. Vor zehn Jahren sind jene charakteristischen Porlrätköple \ un Männern entstanden, in denen sich das „Talent" von Gr-te Wolf, ihr „Zeichneukönnen" und „ 1 reden" so schlagend darstellt. Eine ganz starke realistische 1 land hat, so scheint es, den 1 uschpiuse! geführt, der die Porträts des Nationalökonomen Professor Di. M,in Adler, des Schauspielers Goetz hingeset/t hat. In sicherem und etwas derbem Strich ist das Persönliche dieser Köpfe, das Gerüst des Schädels und der Kiefer, der scharfe Einriß gegeben. End doch ist keine Nuance des Zarten verlorengegangen, der Melancholie, der Ironie, die neben Lnergie. Intellekt, Skepsis und W it/ in beiden Kopien leben. Aus der jungen sachlich-nüchternen Realislm mit d in breiten Por trätistenstrich wächst allmählich die „Konstruktiv istin**, die Malerin abstrakter Bilder. Die Zeitströmung. die so viele Jmme m den Bann des „Blauen Reiters" zwang, hat auch, Grete Woll erlaßt. Abel